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Nordkorea - ein unbekanntes und gefürchtetes Land

Vor einiger Zeit kam in Phönix eine dreiviertelstündige Sendung
über Nordkorea, die ursprünglich ein Beitrag der BBC war. An-
hand von mehreren Zeugenaussagen konnte folglich geschlossen
werden, dass Nordkorea ein stalinistisches Land sei, viele
Straflager unterhalte, Hungersnöte durchlebt habe und mit che-
mischen Waffen in den genannten Straflagern experimentiere,
die man schließlich beim nächsten Waffengang gegen den Sü-
den einsetzen würde. Nicht umsonst werde Nordkorea in den
Augen der USA zum Land des Bösen gerechnet.

Aus Nordkorea selbst, das man auch die KDVR nennt, hört man
nur von der militärischen Bedrohung durch die US-Truppen, die
im Süden Koreas stationiert sind. Man fordert ihren Abzug. Eine
versöhnliche Haltung wird man dort auch nicht finden, weil das
Volk Nordkoreas durch die vorgegebene äußere Bedrohung sich
zusammengeschweißt fühlt. Die Bedrohung von außen erzeugt
einen größeren Zusammenhalt im Inneren. Dies ist logisch und
folgerichtig. Im Laufe der Zeit hat sich auch dort eine historische
Wahrheit etabliert, die sich völlig konträr zu den westlichen Er-
kenntnissen entwickelt hat. Ich meine damit den Einmarsch des
Norden Koreas in den Süden, den man im Norden anders dar-
stellen möchte. Hier spricht man dagegen vom Einmarsch der
US-Truppen in den Norden.

Im Jahre 1963 hatte sich der damalige Partei- und Staatsführer
Kim Il Sung zu diesem Thema geäußert. Dabei ging er von der
Notwendigkeit aus, dass sich das Volk Südkoreas selbst zum
Kampf erhebt, um eine Vollendung der Revolution im südlichen
Teil des Landes möglich zu machen. Ohne diesen Kampf sei
die Revolution undurchführbar. Als Beispiel gab er den ersten
Marsch nach dem Süden an. Aufgrund der Annahme, in Südkorea
gäbe es 200000 Mitglieder der KP und allein in der Stadt
Seoul 60000, ging man davon aus, dass ein großer Rückhalt
im Süden Koreas für das Anpacken der Revolution gegeben sei.
Doch waren diese Zahlen falsch. In Wirklichkeit vermisste man
einige Aufstände, die eine Befreiung der Stadt Pusan ermöglicht
hätte. Somit wäre eine Landung der USA-Aggressoren unmöglich
gewesen (Ausgewählte Werke, Band III, Seiten 597/598). So hat
die spätere Entwicklung auf der koreanischen Halbinsel bekannt-
lich einen anderen Verlauf genommen.

Nach westlichen Quellen fand der Marsch nach dem Süden mit mili-
tärischer Unterstützung statt. So heißt es im Ostasien-Ploetz,
dass am 25. Juni 1950 nach kleineren militärischen Konflikten
an der Demarkationslinie (38. Breitengrad) nordkoreanische
Truppen in Südkorea eingefallen sind und damit den Korea-
krieg auslösten (Seite 155).

Josef Theobald










Fr 19. Nov 2004 15:01

weisheitsborn
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