Fakten statt Spekulationen
Vor kurzem hat mich ein Mitglied dieser Yahoogroup angesprochen.
Er wollte mehr über die Goldreserven Chinas in der Vergangenheit
wissen. Auch interessierten ihn nähere Informationen über den Ge-
brauch der Edelmetalle Gold und Silber im Hinblick auf den täglichen
Handel mit Waren aller Art. Schließlich wollte er in Erfahrung bringen,
welche Gegenstände General Tschiang Kai-schek bei seiner Flucht
nach Taiwan, der logistisch von US-Truppen unterstützt wurde, mit-
genommen hatte.
Darauf habe ich ihm geantwortet: Ein konkreter Hinweis auf die
mitgenommenen Gegenstände bei der Flucht der Truppen des General
Tschiang Kai-schek findet sich in dem Buch von Margareta Grießler
mit dem Titel "Alles unter dem Himmel", Verlag Thorbecke, Sigma-
ringen 1995. Hier schreibt Frau Grießler: "Jiang Kaishek floh, nach-
dem er sich eines Gutteils der Kostbarkeiten aus dem Kaiserpalast
bemächtigt hatte, auf die Insel Taiwan und führte dort seine national-
chinesische Regierung fort." (Seite 326)
Im Standardwerk "Chinas sozialistische Wirtschaft - Ein Abriß der
Geschichte (1949 - 1984)" heißt es auf der Seite 24: "Vor ihrer
Flucht versuchte die Kuomintang-Regierung nicht nur möglichst
viele Mobilien außer Landes zu bringen, sondern auch die Indu-
striebetriebe und Bergwerke zu zerstören, Datenunterlangen und
Dokumente in Brand zu stecken und das Personal zu entlassen."
(Seite 24)
Ich hatte schon einmal geschrieben, dass es nach der Einführung
den Yuan Renminbi noch die alten Münzen nebenher gab. Auch war
der Hongkong-Dollar im Umlauf. Ebenso wurde noch mit Gold und
Silber gehandelt, das aber nichts ungewöhnliches ist, wenn man
bedenkt, dass durch den Bürgerkrieg und die japanische Besetzung
die Inflation sehr hoch war und der Wert der gängigen Münzen stark
schwankte. Um der Spekulation Einhalt zu gebieten und der Inflation
zu begegnen, wurde zum einen der Handel mit den Edelmetallen Gold
und Silber unterbunden und zum andern die alten Währungen allmählich
aus dem Verkehr gezogen. Denn die Wirtschaft in dieser Zeit war zu
schwach, um zu große Kursschwankungen und Wertverluste zu verkraften.
Es musste wieder Vertrauen in die neu eingeführte Währung geschaffen
werden. Der Eintritt in den Koreakrieg spielte mit eine Rolle.
Die Goldgewinnung hat in China eine lange Tradition. Bereits vor
der Shang-Dynastie (ca. 16. - 11. Jh. v. Chr.) wurden Goldgewin-
nungs- und Verarbeitungstechnologien entwickelt. In alten Zeiten
wurde an Flüssen oder in Bergtälern Goldwäscherei betrieben.
Golderzvorkommen gibt es in vielen Teilen Chinas, wobei Seifengold
häufiger ist als Berggold. Der größte Teil der Vorräte befindet
sich in Nordost- und Ostchina sowie im Gebiet um das Yanshan-
und das Qinling-Gebirge. Mohe, Huma und Aihui nördlich des Klei-
nen Hinggan-Gebirges in Heilongjiang sind wegen ihrer Goldminen
bekannt. Ebenfalls sehr namhaft ist die Goldmine Jinguashai in Tai-
wan. Wichtig ist aber die Tatsache, dass eine intensive Erkundung
der Golderzvorkommen erst seit einigen Jahren betrieben wird. Fakt
ist, dass erst in den Fünfziger Jahren systematisch nach Boden-
schätzen gesucht wird. Vorher fehlten entweder vielfach die
Mittel oder es wurde von ausländischen Mächten (USA, Sowjet-
union) behauptet, die Aussicht auf entsprechende Funde sei sehr
gering einzuschätzen. Daher ist zu vermuten, dass der Goldreichtum
in der Zeit der japanischen Besatzung begrenzt war. Der Summe des
Wertes des strittigen Raubgoldes wird nicht sehr groß gewesen
sein.
Im alten China wurde Silber als Zahlungsmittel benutzt. Die reichen
Silbererzvorkommen existieren größtenteils mechanisch beigemengt
in Form von Einschlüssen in Kristallgittern von Mineralien wie
Kupferkies, Zinkblende und Bleiglanz. Auch gediegenes Gold enthält
teilweise Silber.
Henan verfügt über reiche Silbererzvorkommen, und in den letzten
Jahren wurden acht Lagerstätten festgestellt. Eine von ihnen birgt
die größten Reserven Chinas von Erzen mit dem höchsten Silbergehalt.
(China-Buchreihe Wirtschaft, Beijing 1986, Seiten 93 + 94).
Während der Zeit des Opiumhandels begannen große Mengen von
Silber aus China jährlich abzufließen. Nach 1821, als der
Opiumschmuggel begann, wurde der Silbermangel nicht nur in
den Küstenprovinzen, sondern auch in anderen Teilen des Lan-
des spürbar. Englische Statistiken gaben an, dass der Abfluss
von Silber nach England zwischen 1823 und 1834 die alarmierende
Höhe von 25,2 Millionen Silberdollar erreicht hatte. Mindestens
100 Millionen Silberdollar flossen innerhalb von 20 Jahren, von
1821 bis zum Opiumkrieg, aus China ab. Das war ein Fünftel des
gesamten in China zirkulierenden Silbers. (Der Opiumkrieg, Beijing
1977, Seite 17)
Auch die USA mischten in dieser Zeit fleißig mit. Aber es ging ihr
nicht um das Gold. Von wachsendem Interesse war das Silber.
Josef Theobald