Die Erfindung des Schießpulvers
In Deutschland gilt der Mönch Berthold Schwarz, der im 14. Jahr-
hundert in Freiburg im Breisgau lebte, als der abendländische
Erfinder des Schießpulvers (Der Brockhaus in einem Band, S. 813).
In China erkannte man gegen Ende der Tang-Dynastie (618-907)
durch ein wiederholtes Unterdrücken von Schwefel oder Salpeter
durch Feuer, dass ein Gemisch von Salpeter, Schwefel und Holz-
kohle explosiv ist. Im Band 5 des Zhu Jia Shen Pin Dan Fu (Metho-
den verschiedener Schulen für magische Elixier-Herstellung) gibt
es ein "Verfahren für die Unterdrückung von Schwefel" von Sun Simiao,
einem Pharmazeuten und Alchimisten der Tang-Dynastie, in seinem Buch
Dan Jing (Elixier-Handbuch) gleichfalls beschrieben. Ein ähnliches
Verfahren wird ebenfalls im Band 2 des Qian Gong Jia Geng Zhi Bao
Ji Cheng (Kompendium über den vervollkommneten Schatz von Blei,
Quecksilber, Holz und Metall) dargelegt. Die Entdeckung der Zünd-
und Explosiveigenschaften eines Gemisches von Salpeter, Schwefel
und Holzkohle war von großer wissenschaftlicher und historischer
Bedeutung. Ein anderes klassisches alchimistisches Werk, das Zhen
Yuan Miao Dao Yao Lue (Wesentliches über die wahrhaft ursprünglichen
Methoden) warnt zur Vorsicht vor der leichten Entzündbarkeit eines
Gemisches von Schwefel, Salpeter, Realgar (Arsensulfid, AS²S³) und
Honig, da es leicht zu einem Unglück für Personen und Gebäude der
näheren Umgebung kommen könne. Aus verschiedenen schmerhaften
Erfahrungen lernten die alten Chinesen allmählich, Salpeter und
Schwefel in Pharmazeutik und Alchimie gefahrlos anzuwenden und die
gewaltigen Möglichkeiten des Schießpulvers zu nutzen, dessen weit-
reichende Anwendung und Bedeutung seine Erfinder allerdings noch
nicht ahnten.
Josef Theobald