Israel Epstein - vom Journalisten zum Historiker
Im Jahre 1915 in Polen geboren schlug er mit 15 Jahren die
Reporterlaufbahn ein. Mit 22 Jahren wurde er Kriegsreporter
und schrieb für US-amerikanische und Hongkonger Zeitungen.
Mit der Zeit wurde er ein erfolgreicher und weltweit bekan-
nter Zeitungsreporter.
1951 siedelte Israel Epstein mit seiner Frau in die noch junge
Volksrepublik China über. Offiziell heißt es, Sung Tjing-ling,
die Leiterin des chinesischen Instituts für Wohlfahrt, habe ihn
zu einem Chinabesuch eingeladen. Dann sei er geblieben und habe
1957 die chinesische Staatsangehörigkeit beantragt. Wir wissen
aber, dass die Volksrepublik in den Fünfzigern viele Auslands-
chinesen und ausländische Experten angeworben hatte. Bei diesen
Aktionen haben nach US-amerikanischen Quellen materielle Anreize
keine unbedeutende Rolle gespielt. Die offizielle chinesische Dar-
stellung möchte dagegen die patriotische Einstellung der Zuwanderer
unterstreichen.
Bei der Gründung der Zeitschrift "China im Aufbau" (heute: "China
heute") hat Epstein wesentlich mitgewirkt und war zuletzt der Chef-
redakteur. Neben den Umständen der wirtschaftlichen Entwicklung
Chinas und der damit verbundenen Veränderung der sozialen Infra-
struktur befasste sich Israel Epstein ebenfalls mit der jüngeren
Geschichte Chinas. Ausführlich setzte er sich mit den Umständen
des Opiumkrieges auseinander und verfolgte die Ereignisse in China
bis zur Gründung der Volksrepublik China. Sein Hauptwerk heißt folge-
richtig: "Vom Opiumkrieg bis zur Befreiung". Lesenswert ist dieses
Buch deshalb, weil er oft angloamerikanische Quellen verwendete,
zu diesen er offenbar Zugang hatte. Wegen seiner Anglizismen ist
es für deutsche Leser etwas gewöhnungsbedürftig. Doch ist im gros-
sen Ganzen die Lektüre dieses Buches sehr zu empfehlen. Des wei-
tern besuchte Epstein in den Fünfzigern und Achtzigern Tibet und
verfasste ein Buch mit dem Titel "Verwandlung Tibets".
Josef Theobald