Chen Boda - der Historiker aus der hohen Politik
Seit Ende der Dreiziger Jahre gehörte Chen zu den führenden
Theoretikern der KP Chinas und trat in der Eigenschaft als
der Privatsekretär Mao Zedongs in der Funktion als Propagandist
seiner Ideen hervor. Da er bis in die Siebziger höchste politische
Ämter bekleidete, wurde es ihm möglich, bedeutenden Einfluss in
wissenschaftspolitischer und ideologischer Hinsicht auszuüben.
Chen Boda wurde 1904 in der Provinz Fujian geboren. 1927
schickte ihn die Parteiführung nach Moskau zum Studium an
der Sun Yat-sen - Universität. Seit 1937 hat sich Chen ver-
stärkt mit philosophischen und theoretischen Fragen des
Marxismus-Leninismus befasst. In den Fünfzigern war er
Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften gewesen.
1958 wurde er Chefredakteur der Zeitung "Hongqi" (Rote
Fahne), des theoretischen Parteiorgans der KP Chinas.
Als im November der damalige Staatspräsident Liu Shaoqi
an seinen Verletzungen erlag, wurde dessen Amt vakant.
Der greise Mao Zedong machte den Vorschlag, dieses Amt
in der Zukunft nicht mehr zu besetzten. Doch spekulierte
Chen Boda über die Nachfolge und schlug den damaligen Ver-
teidigungsminister Lin Biao als Nachfolger Lius vor. Dieser
Versuch ist aber gescheitert. Im August 1973 billigt die
Parteiführung der KP Chinas den "Untersuchungsbericht über
die Verbrechen der parteifeindlichen Clique um Lin Biao" und
beschließt den Ausschluss seiner Hauptanhänger. Nach dem
Sturz der Viererbande musste er sich vor Gericht wegen
seiner Hetze gegen Liu Shaoqi verantworten.
Josef Theobald