Geschichte der Kontakte Deutschlands zu China
Ferdinand Freiherr von Richthofen (1833-1905) bereiste in den
Jahren 1868 bis 1872 China und schaffte die späteren Voraus-
setzungen für den Einstieg Deutschlands als Kolonialmacht in
China. Zwischen 1877 bis 1883 verfasste er ein geographisches
Werk mit dem Titel "China" und schloss dieses Werk mit dem
"Atlas von China" im Jahre 1885 ab, für dessen 1. Abteilung
er sich verantwortlich zeichnete.
Im November 1897 pachtete Deutschland für 99 Jahre die
Jiazhou-Bucht mit dem Seehafen Qingdao. Somit machte
man sich die Provinz Shandong zur deutschen Einfluss-
sphäre.
Nachdem Deutschland aufgrund des Versailler Vertrages nach
der Niederlage im I. Weltkrieg alle seine Kolonien einbüßte,
haben sich seine Beziehungen zu China grundlegend gewandelt.
So knüpfte Nazideutschland enge Verbindungen zu General
Tschiang Kai-schek, indem es ihn militärisch unterstützte.
Da aber Japan in China territoriale Interessen verfolgte und
sich eine Allianz zwischen den Achsenmächten Deutschland,
Italien und Japan herausbildete, musste Nazideutschland
seine Kontakte offiziell einstellen. Man war aber bestens
über die Vorgänge in China informiert. In meinen früheren
Beiträgen habe ich einmal einen Auszug aus einem Geheim-
dienstbericht wiedergegeben, die den chinesischen Stand-
punkt untermauert, dass Tschiang nur halbherzig gegen die
japanische Aggression in China vorging und der eigentliche
Widerstand von der kommunistischen Seite ausging.
Nach dem II. Weltkrieg litten die deutsch-chinesischen Kontakte
unter dem kalten Krieg. Die Adenauer-Regierung sah in Rotchina
einen Vasallen Moskaus. Diese Ansicht sollte sich durch den Krieg
in Korea verfestigen. Erst nach der Aufnahme der Volksrepublik
China in die UN im Oktober 1971 bei gleichzeitiger Wiederher-
stellung seiner legitimen Rechte im UN-Sicherheitsrat fanden
sich mehrere westliche Länder bereit, mit der Volksrepublik
diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Auch die Annäherung
der USA unter Richard Nixon zu China aufgrund des Shanghaier
Kommuniqués im Februar 1972 ließ die westliche Ablehnungsfront
aufbröckeln. Zuvor hatte China gezeigt, dass es zwar ein sozia-
listisches Land ist, das aber in erster Linie ein chinesisches
Land ist, das in der Tradition vorhergehender Dynastien steht.
Die DDR unterhielt bis 1960 enge Kontakte zur Volksrepublik.
Vom Mai bis September 1956 unternahm die botanisch-zoologische
Expedition des Akademieinstituts für Kulturpflanzenforschung in
Gatersleben unter Leitung seines damaligen Direktors H. Stubbe
eine Expedition in China. Zahlreiche Proben von Kulturpflanzen
konnten mitgebracht und ihre Anbauverhältnisse in China studiert
werden. Dieser wissenschaftliche Austausch endete mit dem Bruch
Beijings mit Moskau und der Entscheidung der Sowjetunion im Juli
1960, innerhalb eines Monats alle in China arbeitenden Experten
zurückzuziehen. Der Abzug dieser Experten bereitete zunächst in
China große Probleme, zumal der "Große Sprung nach vorn" nicht
die Ergebnisse brachte, wie man sie sich zu Anfang erhoffte.
Josef Theobald