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Die Geschichte der DDR aus anderer kritischer Sicht

Am 17. Juni begehen wir den 50. Jahrestag des Arbeiteraufstandes
in Ost-Berlin gegen die neu eingeführten Arbeitsnormen. Dies gibt
mir Anlass, allgemein die Geschichte der DDR zu betrachten.

Nachdem die Sowjettruppen unter Stalin im Rahmen einer Anti-Hitler-
Koalition dem faschistischen Erbe im Osten Deutschlands zunächst
den Garaus gemacht hatten, sollte bald darauf die Gruppe Ulbricht
nach Ostdeutschland kommen und hier einen sozialistischen Staat
nach sowjetischem Vorbild aufbauen. Doch sah man sich dem Pro-
blem gegenüber, dass die KPD im Deutschland der Dreiziger Jahre
nur eine politische Partei von vielen war. Deshalb ersann man sich
auf Anweisung Stalins die Option einer Zwangsvereinigung von KPD
und SPD. Jene Genossen, die sich standhaft widersetzten, wurden
oft nicht nur mundtot gemacht, sondern verschwanden in den Straf-
anstalten.

Auch in den späteren Jahren blieb das Verhältnis zur Sowjetunion sehr
eng. Denn man war von sowjetischen Truppen besetzt, die jederzeit in
der Lage waren, eine Ordnung im Sinne sowjetischer Vorstellungen
herzustellen. Dies muss immer im Hinterkopf behalten werden, wenn
von der DDR gesprochen wird. Als Walter Ulbricht die unbestreitbare
Macht übernahm, hatte er im sozialistischen Ausland nicht nur Freunde.
Denn ihm wurde angekreidet, überheblich und anmaßend zu sein. Die
Tatsache, dass die SED immer auf Linie zur KPdSU stand, brachte der
DDR ein, dass sie von der UdSSR hohe Kredite für den Wirtschaftsaufbau
bekam, damit man zum Schaufenster nach Westen werden konnte. Dies war
der Fall im Streit mit Tito und in der Auseinandersetzung mit Rotchina
und Albanien. Bei der gewaltsamen Beendigung des Prager Frühlings war
man aktiv dabei. Auch sein Nachfolger Erich Honecker blieb bis in die
Ära Breschnews linientreu. Spannungen gab es erst, als Michael Gorbatschow
auf der politischen Linie erschien. Seine verlangten Reformen wollte man
nicht mitmachen. Dadurch entstand eine Situation, die das Ende der DDR
beschleunigen sollte.

Zur DDR hatte ich stets ein kritisches Verhältnis gehabt. Da man die in
den Anfangsjahren noch angestrebte deutsche Einheit nach einer späteren
Verfassungsreform nicht mehr für legitim hielt, sah man sich nunmehr als
zweiten unabhängigen deutschen Staat auf internationaler Bühne. Besonders
nach dem Grundlagenvertrag zwischen den beiden deutschen Staaten war man
in seiner Position bestätigt. Wenn man konkrete Informationen über die
DDR haben wollte, musste man oft den Umweg über die CSSR gehen. Man hatte
zwar eine Station namens Radio Berlin International als offizielle Radio-
station für das Ausland. Aber diese war für die Hörer in der DDR selbst
tabu. Man gab sich gegenüber dem Ausland als recht liberal. Doch wurde
man wie viele andere Radiostationen nach der Wende abgewickelt.

Josef Theobald







Son 1. Juni 2003 5:34

weisheitsborn
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JosefTheobald@...
weisheitsborn
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1. Juni 2003
5:47
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