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#30 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Do 15. Apr 2004 15:16
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
ankaliese
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#29 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Do 15. Apr 2004 15:16
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
ankaliese
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Liebe FreundInnen,

Im Anhang schicke ich den Brief, den ich gleich an Präsident Bush,
Powell und einige Kongressmitglieder faxen werde, falls ihn
irgendjemand auch abschicken will.  Es geht auch per email (glaube
ich - die addressen galten jedefalls noch vor einiger Zeitd):
president@..., secretary@....  Bushs Entscheidung,
sich voll und ganz auf die Seite Israels zu stellen bedeutet auf alle
Fälle Fertigstellung der Mauer, die den Palästinensern die Hälfte
ihres Territoriums stehlt (nachdem dieses schon einmal, 1948,
halbiert wurde - wohlgemerkt aus Gründen, die mit den Palästinensern
überhaupt nichts zu tun hatten!) und etwa 200 000 von ihnen jeglicher
Lebensmöglichkeiten beraubt.
Es folgt der heutige Bericht von New Profile.  Er beginnt mit einem
Zitat aus dem Haarezbericht über die Proteste in Biddu, mit dem
Dorothy sich auseinandersetzt.
-----------------------------------------------
"...einige der linken Demonstranten, wie die Brüder Yonatan und Shai
Polak verhalten sich viel militanter und provokativer als was bisher
zu sehen war bei den Protesten von Anarchisten gegen die Mauer.
Yonatan Polak verspottet die Soldaten, sagt ihnen sie sollen die
Befehl bezüglich des Zauns verweigern.  Die Demonstranten verhöhnen
und belachen die Soldaten mit sexuellen Anspielungen und anderen
Formen verbaler Provokation dass bisher nicht bei politischen
Protesten in den besetzten Gebieten bezeugt wurde." Arnon Regular im
nachfolgenden Bericht.
------------------
Liebe Freunde, nachdem ich heute morgen diesen Bericht gelesen habe,
hoffte ich Yonatan Pollak's Reaktion dazu zu erfahren.  Als ich ihn
aber um 11.30 anrief, antwortete er kurz, "Dorothy, ich kann jetzt
nicht reden, sie schießen auf uns mit Gummikugeln," und legte ab.  In
den Mittagsnachrichten war zu hören, dass Gummigeschosse einen jungen
Palästinenser am Kopf und ein Demonstrant (offenbar ein Israeli oder
Internationaler) ins Bein getroffen hatte.  Der Sprecher sagte auch,
dass die Arbeit weitergehe.  Das bedeutet, dass der Protest auch
weitergeht und wahrscheinlich die Kugeln noch fliegen.  Ich habe
gerade mit Arnon Regular, dem Reporter, gesprochen.  Danach muss ich
einiges des Folgenden neu schreiben.  Ich hatte zuerst geschrieben
"Denkt bitte daran, dass der Reporter, ARnon Regular, selten (wenn
überhaupt je) über Ereignisse schreibt, die er selbst erlebt hat.  Er
bekommt seine Informationen hauptsächlich von einem Armeesprecher. Er
spricht vielleicht auch mit Demonstranten per handy aber ist selber
nicht da und es ist auch wichtig, die Quelle der Videos zu kennen,
die er erwähnt.  Sie zeigen meist etwas, wenn sie von einem IOF
Kameramann stammen und etwas anderes, wenn es ein Aktivist war.  Aber
Regular besteht darauf, dass ich mich geirrt habe, dass er bei vier,
vielleicht auch mehr, dieser Demonstrationen dabei war.  Er sagt auch
er hätte gehört, wie die Anarchisten die Soldaten "verspotteten".
Ich frage mich, woraus der "Spott" für ihn besteht.  Regular
behauptet (und ich glaube, er meint es auch), dass er auf Seite der
Deomonstranten steht, dass sie aber die Soldaten nicht provozieren
solten.  Andererseits versteht er, warum sie die Soldaten dazu
aufrufen, ihre Waffen niederzulegen und akzeptiert es.  Der Großteil
unseres halbstündigen Gesprächs ging um den untenestehenden Bericht.
Ich habe aber eine allgemeine Bitte geäußert zu den Berichten über
die Proteste.  Ich habe diese in allen israelischen Zeitungen
verfolgt im vergangenen Monat, und festgestellt, dass diese fast
immer die Demonstrationen als gegen die Mauer/Zaun gerichtet.
Dadurch führen die Medien die Leser (hauptsächlich Israelis) in die
Irre und geben den falschen Eindruck.  Wenn der Bau auf der
Friedenslinie von 1948 erfolgen würde (die sogenannte Grüne Linie
oder vor-1967 Linie), würden die meisten Palästinenser ohne Murren
akzeptieren, was auch immer sie davon hielten.  Die Demonstranten
sind nicht gegen die Mauer/Zaun als solches, sondern gegen den Raub
ihrer Böden, Entwurzelung ihrer Bäume, Zerstörung ihrer Häuser usw.
Regular hat dies zugegeben, erklärte aber, dass er auch dafür sorgen
muss, dass man ihn veröffentlicht, und deswegen muss der Fokus auf
der Mauer liegen.  Er versprach aber, dem menschlichen Element mehr
Raum zu geben.  Wenn er das tut ist es nur ein kleiner Gewinn aber er
könnte doch Bedeutung haben bei der Beeinflussung der öffentlichen
Meinung.  Bisher haben die Berichte (auch von Regular) die Proteste
behandelt als ging es um Fußballspiele oder Sportwettbewerbe zwischen
unschuldigen Soldaten und Rebellenbanden.  Aber in Wirklichkeit ist
der Einsatz viel höher: Landwirtschaftsflächen, Olivenhaine und
Wasserquellen - das Land und die Bäume der Menschen, die versuchen
ihren Lebensunterhalt und den künftiger Generationen zu retten.
Palästinenser, Israelis und Internationale, die gemeinsamdanach
streben, im Namen des Rechts gegen die Macht der Bulldozer, des IOF
Tränengases, panzer, Gummigeschosse, betäubungsgranaten und anderer
Waffen zu stellen.  Würdet ihr nicht versuchen, eure Wohnungen und
Eigentum zu verteidigen, wenn Bulldozer kämen, das eine oder andere
oder beide zu verteidigen? Würdest du es nicht leidenschaftlich tun?
Wenn Yonathan und seine Freunde die Soldaten aufrufen, ihre Waffen
niederzulegen, aufzuhören, gegen unschuldige menschen zu kämpfen und
ihr Land zu zerstören, ist das nicht falsch, sondern das Gegenteil.
Es ist nicht falsch, Soldaten zu sagen, sie sollen sich auf Seiten
des Rechts stellen.  Sie sollten den Baufirmen es niczht erlauben,
das Land von Bidu, Mas'ha und all den anderen Dörfern zu zerstören.
Andrerseits, könnten einige der Protestler versuchen, durch
"Provokationen" die Aufmerksamkeit der Medien zu erregen, wie Regular
andeutet.  Wenn die Medien aber über gewaltfreie Proteste berichten
würden, wäre das nicht nötig.  Leider passiert das normalerweise
nicht.  Wenn es keine Gewalt seitens des Militärs gäbe, würden das
Land und die Bäume der Palästinenser verloren gehen, ohne dass es
jemand jemals erfuhr.  Ich schreibe seit 11 Uhr, jetzt ist es 3.  Die
1 Uhr Nachrichten berichten, dass der Palästinenser, der von einem
Gummigeschoss getroffen wurde, ein 12jähriger Junge war, der ein
Schädelbruch erlitten hat.  Nach dem gleichen Bericht wurden 3
Israelis leicht verletzt und Israelis berichten, dass Soldaten
weniger als 30m von ihren Zielen entfernt waren.
+++++++++++++++++++
Außer dem Obenstehenden, wird alles schlimmer.
--------
Dorothy berichtet dann über die Anhörung eines jungen Mädchens, die
vor Gericht gegangen ist, um Anerkennung als Verweigerer aus
Gewissensgründen zu bekommen.  (Mädchen haben die Möglichkeit, ohne
Angabe von Gründen zu verweigern, was als "religiös motiviert"
eingestuft wird.)  Ihr geht es aber um das Recht, einen zivilen
Ersatzdienst (den sie schon längst tut) leisten zu dürfen.  Sie hat
bereits 14 Tage Arrest hinter sich, ihr Anliegen ist vom Richter
eindeutig zurückgewiesen, unter anderem mit dem in einer Demokratie
recht interessanten Argument, dass Bürger nicht das Recht haben, zu
versuchen die Politik ihren eigenen Werten gemäß zu beeinflussen!

Sie fügt dann noch folgende Notiz bei:
Um 1 Uhr früh erhielt ich einen SOS Anruf über ein Dorf.  Soldaten
waren eingedrungen, hatten allen Bewohnern befohlen, die Häuser zu
verlassen (Alte, Säuglinge, Kinder, Männer, Frauen, Kranke - alle!!!)
  Die Soldaten zerschmetterten die Wohnungen, warfen Möbel und andere
Sachen auf die Straße.  Das geschah alles während der frühen
Morgenstunden.  Die Menschen schliefen in ihren Betten als sie rauh
geweckt und aus ihren Betten und Wohnungen getrieben wurden.  Ich
rief die Zivilverwaltung an (die "humanitäre" Abteilung) und
beschwerte mich.  Die Antwort war, "Was willst du? Das ist das
normale Verfahren um den Terrorismus zu verhindern!"  Die Frau, mit
der ich sprach hatte von einer "Kollektivstrafe" noch nie etwas
gehört.  Traurigerweise ist in den besetzten Gebieten alles möglich.
Dorothy.

#28 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Mit 14. Apr 2004 10:34
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
ankaliese
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(Ich fürchte, mein gestriger Brief ist nicht angekommen und schick
ihn heute nochmal)

[Ein möglichst täglicher Rundbrief mit Berichten aus Palästina, meist

von Augenzeugen, entweder von Aktiven der International Solidarity
Movement oder Israelis, die sich für die Palästinenser engagieren.
Sie kommen entweder von der ISM oder von Dorothy Naor, von der
Frauenorganisation New Profile, die sich gegen die Militarisierung
Israels wendet.  Bitte an Interessierte weiterleiten.  Wer die
Berichte regelmäßig erhalten möchte, sende eine leere Email an: Brief-

  aus-Israel- subscribe@...].


Ihr Lieben alle,

die heutige Post befasst sich vor allem mit dem bevorstehenden Besuch

Sharons in Washington und den möglichen Ergebnissen - vor allem
Befürchtungen, dass er sich mit Bush einigt, die Road Map in den Wind

zu schießen und statt dessen seine Pläne bezüglich Gaza und die Route

der Mauer von Bush absegnen zu lassen.  Damit wären alle
Möglichkeiten für eine zweistaaten Lösung und Frieden in der Region
endgültig begraben.  In USA wird zu Protesten aufgerufen, vor allem
Briefe and Regierungs- und Congressmitglieder.  Die aber Bush wohl
kaum zurückhalten werden von seinen Vorhaben, was auch immer sie sein

mögen.

Außerdem kommen mehrere Berichte von dem International Womens Peace
Service, deren Freiwillige längere Zeit in Israel und Palästina
bleiben, um vor allem Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren.
Ein Bericht nach dem anderen erzählt von Soldaten, die mitten in der
Nacht Familien aus dem Bett zerren und raus in die Kälte stellen,
während das Haus durchsucht, Inventar zerstört (z.B. Fässer mit 400L
Olivenöl umgekippt und Mehl und Kleidung in das vergossene Öl
geworfen) und  gedroht, dass das nächste Mal Schlimmeres bevorsteht.

Außerdem wird von Gewalt durch Siedler berichtet: Steinewerfen,
Fensterscheiben und Autos zerstört, manchmal längere Kämpfe zwischen
Jugendlichen der beiden Seiten.

Ich übersetze allerdings lieber einen Brief von vor ein paar Tagen,
in dem es um weitere Proteste gegen die Mauer und ihre Folgen geht.
Außerdem füge ich im Anhang eine Übersetzung, für die ich wieder
Ellen Rohlfs herzlich Danke, von einem Artikel von Uri Avnery über
den Aufstand in Irak, der voll und ganz voraussehbar war.
-------------------------------------------
An alle:

Die Beschreibung der Ereignisse in den folgenden Berichten zeigt,
dass es der IOF freisteht, zu tun was und wann sie will und dass die
Palästinenser keine Stimme, keinen Frieden, keine Sicherheit und
keine Zuflucht haben.

Zur Zeit genießen die Israelis relative Ruhe? Wird sie dauern?  Wie
lange können Palästinenser weiterhin zusehen, wie ihre Häuser
demoliert, ihr Boden gestohlen, ihre Bäume entwurzelt, ihre Männer
mitten in der Nacht inhaftiert, ihre Kinder getötotet, Invasionen
durch israeli Panzer, Hummer, F 16 und Apaches fortgesetzt werden,
ohne zu reagieren.  Und wenn sie gewaltsam reagieren, nennt sie die
Welt Terroristen.  Wie lange wird die Welt die Vergewaltigung
Palästinas dulden?  Wie lange wird die Welt versäumen, die
Machenschaften Israels in Palästina und der USA in Irak, Terrorismus
zu nennen?

Dorothy
------------------------------------------------
Ein Bericht von Huwaida, von der ISM

Wir wachten heute früh um 5:30 auf zum Anblick von vier Bulldozern
und vielen Soldaten, die mit der Arbeit anfingen, Bäume absägten und
das Land hier in Biddu zerstörten.  Bis 7 hatten Menschen begonnen,
sich beim Gemeinderat zu versammeln und bis 7.30 waren wir an der
Arbeitsstelle.  Wegen des Niveaus der Gewalt die in der Vergangneheit

gegen solche gewaltfreie Proteste gerichtet wurde, wurde beschlossen,

dass es vielleicht hilfreich wäre, wenn Internationale vorne weg
marschierten auf die Soldaten und den Arbeitsort zu.

Als wir die Stelle erreichten wurden wir mit einer Gruppe Soldaten
konfrontiert, die binnen 10 Sekunden Tränengas und Knallgranaten [ich

bin allerdings nicht sicher, was "concussion grenades" genau sind]
gegen den friedlichen Marsch abfeuerten.  Die Demonstranten
zerstreuten sich schnell und der eine, der blieb, unser örtlicher
Koordinator, wurde sofort festgenommen, in ein Gebäude geschleppt und

durch Schlagstöcke der Soldaten schlimm zugerichtet.  Er und ein
zweiter, der festgenommen wurde, wurden mittags freigelassen.

Die überwältigend gewaltsame Präsenz der Soldaten, etwa 100, und bis
zu seiben schweren Maschinen, die den Boden zerstörten, provozierte
einige der Demonstranten dazu, bald mit Steinen zu antworten.  Als
die Menge sich um die Seiten des Hügels, wo die Arbeit stattfand,
zerstreute, nahmen Soldaten und Grenzpolizisten
Scharfschützpositionen auf den Dächern von sechs Häusern und feuerten

weiter Tränengas, Granaten und gummiummantelten Kugeln in die Menge.

Ein Teil der Demo arbeitete sich vor zu einem kleinen Haus am Hang,
das offenbar demoliert werden sollte.  Die Soldaten fingen an, alle
zu schlagen, die versuchten in das Haus zu gelangen , zwangen rasch
fünf Palästinenser hinein und schlossen die Tür.  Zu dem Zeitpunkt
versuchte eine Gruppe von etwa 18 Internationalen mit Palästinensern
zusammen den Berg hoch zu laufen mit hochgehaltenen Armen, um zu dem
Haus zu gelangen.  Jeder von sechs Versuchen surde mit
Gummigeschossen, Tränengas und Granate von den vielen Scharfschützen
auf den Dächern und den vielen Grenzpolizisten um das Haus herum
begegnet.  Tränengaskanister wurden den Leuten direkt an den Kopf
gefeuert.  Vor nur drei Tagen hatte ein 15jähriger Junge einen
Schädelbruch erlitten durch den Schlag eines Tränengaskanisters gegen

seinen Kopf.

Gegen 13 Uhr fingen die Soldaten an, scharfe Munition gegen die
Demonstranten zu feuern, wobei vier verletzt wurden.  Sie schossen
weiter scharf bis nach 15 Uhr.  Der Angriff des Militärs auf Leute,
die versuchten, die Zerstörung ihres Landes zu vehindern, ging
während des Großteil des Tages weiter, an mehreren Stellen
gleichzeitig.

Bis 17.30, als die Soldaten allmählich in 14 Jeeps abzogen, war das
Land fürchterlich zugerichtet, viele Olivenbäume waren zerstört und
eine etwa einen Kilometer lange Narbe war durch die Bulldozer am Hang

und durch das umliegende Tal gezogen wurden.

Das Haus, das demoliert werden sollte, war noch erhalten und die
Menschen, die darin gewesen waren freigelassen.  Soweit wir wissen,
ist ein Befehl erlassen worden gegen die Zerstörung des Hauses.  Ein
Urteil wird als Teil einer Gerichtsanhörung am 16. April gefällt.  Es

gab heute mehr als 40 Verletzte, 4 durch Gas, 4 durch scharfe
Munition, und 32 durch die gummiummantelten Geschosse.  Der jüngste
der Verletzten war 7.  Ein Gummigeschoss war in sein Bein gedrungen.

Vier wurden von der Klinik in Biddu zum Krankenhaus nach Ramallah für

intensivere Behandlung gebracht.  Die Arbeit geht morgen weiter, und
die Gemeinde wurd dort sein, um sich zu widersetzen.

Photos
unter:http://www.palsolidarity.org/pictures/PHOTOS_7Apr04_01_19_13Jeru
salemNewsAgencies.htm


Anhänge:
   C:\Eigene Dateien\IRAK\Bitterer Reis.rtf
--- Ende der weitergeleiteten Nachricht / End of forwarded message ---

#27 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Mo 12. Apr 2004 8:34
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
ankaliese
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[Ein möglichst täglicher Rundbrief mit Berichten aus Palästina, meist
von Augenzeugen, entweder von Aktiven der International Solidarity
Movement oder Israelis, die sich für die Palästinenser engagieren.
Sie kommen entweder von der ISM oder von Dorothy Naor, von der
Frauenorganisation New Profile, die sich gegen die Militarisierung
Israels wendet.  Bitte an Interessierte weiterleiten.  Wer die
Berichte regelmäßig erhalten möchte, sende eine leere Email an: Brief-
aus-Israel- subscribe@...].


Liebe FreundInnen,

Leider erst heute, da ich zwei Tage weg musste von zuhause, kommt ein
verzweifelter Ruf aus Irak wegen der Kämpfe um Falludja - oder
genauer wegen Bombardierung und Massaker.  Obwohl nicht aus
Palästina, kann ich nicht anders als ihn wegen der ungeheuren
Dringlichkeit weitergeben.  In einem langen und sehr detaillierten
Bericht, von unterschiedlichen Personen, für die meine Gewahrsfrau
unbedingt bürgt (obwohl viele der Zitierten nicht genannt sind), wird
von der verzweifelten Lage der Menschen in Falludscha berichtet. Sie
sind von der US Armee aufgefordert wurden zu fliehen, so dass viele
Tausende aus der Stadt zogen in die Wüste, wo sie nun ohne Versorgung
und von Militär umringt sind.  In der Stadt fallen die Bomben auf
Männer, Frauen und Kinder ohne Unterschied. Die umliegende
Bevölkerung bemüht sich, Hilfe nach Falludscha zu bringen und
Menschen zu evakuieren, in einem ungeheuer mutigen und selbstlosen
Einsatz.  Die medizinische Versorgung ist wegen Überlastung
weitgehend zusammen gebrochen.  In Bagdad sind, ohne dass es irgendwo
berichtet wurde, 27 USSoldaten gekidnappt worden.  Solches und vieles
andere kann die USRegierung offensichtlich geheim halten. Ich
überlasse die entsetzlichen Details euer aller Phantasie, und
übersetze hier den Teil des Briefes, der überschrieben ist: Was ist
zu tun.  Den vorgeschlagenen Flugblatttext gebe ich vor allem wegen
der darin enthaltenen Begründung und Charakter des Aufstandes wieder.
  Er richtet sich vor allem an die Regierungen, die Truppen in Irak
haben. Für diejenigen, die ihn nutzen wollen, füge ich auch den
englischen Text an (entschuldigt, dass mein Computer ihn beim
Copieren so zerfetzt).
Die Berichte über friedliche Proteste gegen den Landraub in Palästina
und ihrer unfriedlichen Begegnung mit den wachsenden Zahlen der
Verletzten und Inhaftierten kommen währenddessen weiter.
----------------------------------------
Dies ist ein Appell an die Antikriegsbewegung, die Friedens- Ökologie-
, Tierrechte-, Antifaschistischenbewegung, an alle, die ihn aufnehmen
können, die eine Demo, einen Protest, eine Bürobesetzung, Stürmung
einer Botschaft, eine Straßenblockade, massenhaften zivilen
Ungehorsam, Industrieschließung, Arbeitsplatzbesetzung, Blockade
einer US-Botschaft oder Militärbasis organisieren kann....  Wir
müssen dies ansprechen.  Wir werden zum Solidaritätswiderstand in
Irak indem wir in unserer Nachbarschaft und in unseren Städten aktiv
werden.  Druckt ein Flugblatt, malt ein Transparent, geht auf die
Straßen.  Schon eine kleine Gruppe kann helfen.  Zeigt den Menschen
in Irak dass wir neben ihnen stehen.  Geht zu den Botschaften, den
Basen, zu den US-Interessen, auf die Straße.

Beispiel eines Flugblatttextes:

Ein Massaker findet in Falludscha, Irak statt.  Falludscha ist eine
Stadt die sich seit Juni der USbesatzung widersetzt.  Seitdem sind
USTruppen an den Stadtrand verdrängt.  Die Stadt hat am härtesten
gekämpft und ist regelmäßig seitdem von F16 Kampfflugzeugen und
Apache Kampfhubschraubern bombardiert worden, wobei Zivilisten
regelmäßig abgeschlachtet werden.

Mehr als 470 Menschen sind bis jetzt (10.April) von den UStruppen in
Falludscha umbegracht worden, 1700 verletzt.  Die Todesziffer wird
wegen der belagerungsartigen Umzingelung der Stadt durch das Militär
steigen, auf Krankenwagen wird geschossen, wenn sie in die Stadt
einfahren werden sie von Scharfschützen verfolgt.  Augenzeugen
berichten, dass sie Leichen auf den Straßen sehen.  Krankenhäusern
sind angegriffen worden.  Medizinische Ausrüstung und Mangel an
Krankenbetten sind auf Krisenniveau.  Einwohner nennen es ein
Massaker.  Menschen versuchen von überallher nach Falludscha zu
kommen umd die Verletzten zu evakuieren, manche erfolgreic.  Menschen
spenden Lebensmittel, Medizin und Wasser an die, die Fliehen.  Ganz
Irak beobachtet und sympathisiert mit Falludscha.

Während ich schreibe zieht ein 13km langer Zug aus der von Bomben
zerstürten Stadt.  Sie sind in der wüste gefangen und von UStruppen
umringt, die nach Augenzeugenberichte auf sie feuern.  Die meisten
dort sind ältere Männer, Frauen und Kinder.

USsoldaten in der Nähe der Stadt sind in einer unmöglichen Lage und
auch ihr Blut fließt für die Markt-Profit-Machthungrigen US und UK
Regierungen und Konzerninteressen.  Vor Kurzem ist die sich lange
zusammenbrauende Unzufriedenheit, Frustration, Demütigung und
wachsender Zorn gegen die Besatzung explodiert.  Die Besatzung wird
wegen ihrer Existenz, ihres Rassismus, ihrer Gewalt bekämpft.  Sie
recycelt und ermächtigt erneu die neo-Baathist regierende Elite,
trainiert und stellt wieder mehr als 10 000 Baathist Folterer und
Intelligenz ein.  Ferner ändert sie die Gesetze Iraks durch Befehl
der provisorischen Verwaltung der Koalition (hauptsächlich Befeht 30
über Gehalt und Anstellungbedingungen für öffentliche Angestellte,
die den Mindestlohn auf 69 000 ID ($40 pro Monat - weniger als die
Hälfte des empfohlen Lohns für den Arbeiter in einem
Ausbeutungsbetrieb in der Freihandelszone im benachbarten Iran), dazu
Befehl 39 (über ausländische Investitionen, der 100% ausländische
Inhaberschaft - Privatisierung - und Reduktion des
Einkommenssteuerhöchstsatz von 45% auf 15%).  Diese Maßnahmen sind
die wesentlichen Ursachen des Aufstandes.

Das Klima in Irak hat sich von Protest zum Widerstand und nun sum
Aufstand bewegt.  Demonstrationen finden täglich im ganzen Land statt
seitdem die Besatzung angefangen hat. Es sind Studenten, Rentner und
Arbeitslose, Frauen, ehemalige Soldaten und Kinder.  Dieser neuer
Aufstand wird eine Revolte zur Unterstützung des antibesatzungs
Klerikers Muqtade al Sadr genannt, ist aber in Wirklichkeit weit
verbreitet, unkontrollierbar, formlos und verschieden.  Er ist nicht
islamistisch, ist nicht nur nationalistisch, ist nicht Baathist.  Es
ist ein allgemeiner Kampf gegen die Besatzung - die größte Anstiftung
zur Gewalt im Land.

Bitte übt Solidarität mit den Menschen in Irak während dieser
Erhebung und Zeit des Blutvergießens.  Bitte schließt euch dem
Protest gegen das blutige Massaker in Falludscha an, welches sich
ausdehnen wird, wenn die Besatzungsarmeen weiterhin ungehindert und
unangefochten weitermachen.  Stoppt den weitergehenden Krieg in Irak.
Truppen raus aus Irak!
-------------
As you read this, a massacre is taking place in Falluja, Iraq.
Falluja is
a town which has been resisting the occupation of Iraq since June. US
troops have been forced to the border of the town since then. It has
fought hardest and most uncompromisingly and has regularly pummelled
by
F16 fighter jets and apache helicopter gunships since then, with
civilians
being slaughtered on a regular basis.

Well over 470 people have now been slaughtered by US troops in
Falluja,
this week. 1700 have been injured. The deathtoll is expected to rise
due
to the siege nature of the military cordon around the town.
ambulances are
being fired upon and followed by sniper sights if they attempt to
enter
the town. Eyewitnesses have reported seeing bodies lying dead in the
streets. Hospitals have been attacked. Medical supplies and bed
shortages
are at crisis levels. Residents are calling it a massacre. People
from all
over are attempting, some succeeding, to get into Falluja to help
evacuate
the injured by car. People are donating food, medical supplies and
water
to those fleeing. All of Iraq is watching and sympathising with
Falluja
say people on the ground there.

There is at the time of writing (10/04/04) a 13km column of Falluja
residents fleeing the bomb-smashed town, trapped in the desert and
surrounded by US troops which eye-witnesses report have been firing
on
them. Most of the desert marooned refugees are elderly men, women and
children.

For US soldiers stationed near the town, they have been in an
impossible
situation and their blood too is being shed for the market-profit-
power
chasing interests of the US and UK government and corporate
interests.
Recently, the long-time brewing discontent, frustration, humiliation,
and
mounting rage against the occupation has exploded. The occupation is
being
fought for its very existence, its racism, its violence.   Its
recycling
and re-empowerment of a neo-Baathist ruling elite, its re-training
and
re-hiring of over 10,000 Baathist torturers and intelligence agents,
its
re-writing of Iraq's laws through Coalition Provisional Authority
Orders
(principally Order 30 on Salaries and Employment Conditions for Civil
Service Employees which sets the minimum wage for Iraqi Public Sector
workers at 69,000 ID ($40 per month - less than half the recommended
wage
of a sweatshop worker in a free trade zone in neighbouring Iran),
plus
Order 39 on Foreign Investment which allows for 100% foreign
ownership -
privatisation - and slashes the highest rate of income tax from 45%
to
15%) has resulted in insurrection.

The climate in Iraq has moved on from protest to resistance, and now
to
insurgency. Demonstrations have been taking place every day all over
the
country since the occupation began, with protestors ranging from
students
to pensioners, unemployed, women, former soldiers and children. This
new
uprising has been labelled a revolt in support of the anti-Occupation
cleric Muqtada al Sadr, but the reality is that it is widespread,
uncontrollable, inchoate and varied. It is not Islamic, it is not
just
nationalist, it is not Baathist. It is a generalised struggle against
the
Occupation - the biggest incitement to violence in the country.

Please stand in solidarity with the people in Iraq during this
upheaval
and time of bloodshed. Please join the protest against the bloody
massacre
in Falluja, which will spread if the occupation  armies continue
unchecked
and un-challenged. Stop the ongoing war on Iraq. Troops out of Iraq.

#26 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Sam 10. Apr 2004 7:38
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
ankaliese
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[Ein möglichst täglicher Rundbrief mit Berichten aus Palästina, meist
von Augenzeugen, entweder von Aktiven der International Solidarity
Movement oder Israelis, die sich für die Palästinenser engagieren.
Sie kommen entweder von der ISM oder von Dorothy Naor, von der
Frauenorganisation New Profile, die sich gegen die Militarisierung
Israels wendet.  Bitte an Interessierte weiterleiten.  Wer die
Berichte regelmäßig erhalten möchte, sende eine leere Email an: Brief-
  aus-Israel- subscribe@...]

Liebe FreundInnen,

für alle, die ihn auf anderem Wege noch nicht erhalten haben, sende
ich im Anhang Pfr. Mitri Rahebs Ostergruß aus Bethlehem, den Ellen
Rohlfs übersetzt hat.
Für heute kann ich nur die ausnahmslos langen Mails, die ich erhalten
habe, kurz zusammenfassen.  Immer wieder die unerträglichen Berichte
der Zerstörung wegen des Mauerbaus, der ohnmächtigen
Protestdemonstrationen, die schließlich durch scharfe Munition
aufgelöst werden und 5 oder 10 oder mehr Verletzte zur Folge haben -
Verletzte, die dann auf abenteuerlichen Wegen und vielen Hindernissen
überhaupt medizinisch versorgt werden können.
Ein langer und faszinierender Bericht kommt (aus der Zeitung The
Guardian) von einer preisgekrönten Autorin aus New York, die Ende
vorigen Jahres für vier Monate nach Tel Aviv zog, um zu sehen, wie es
die Menschen dort aushalten und einen Roman darüber zu schreiben.
"Mein Ziel war privat und literarisch - einen Roman zu schreiben von
einer fiktionalen Stadt in einem fiktionalen Land, dessen Bewohner
alle von woanders kommen, um sich Fragen der Identität, der
Zugehörigkeit, des Leids zu stellen."   Sie fand eine ganze
Gesellschaft, die damit beschäftigt ist, die Gegenwart soweit wie
möglich auszublenden, schreibt von Armut, von Protesten, und stellt
sich immer wieder die Frage, Wie ist es zu ertragen, dieser
erschreckende Zusammenbruch von allem, was der Zionismus bedeutet
hat?  Eine Hoffnung sieht sie nicht.
Ein Film, der gerade in Israel herauskommt, in dem 12 Mütter -
Israelinnen und Palästinenserinnen - die Kinder unter fünf Jahre
verloren haben, von ihrem Leben erzählen, davon, wie wenig sie fähig
sind, mit der Tragödie und dem Schmerz jemals fertig zu werden.
Schließlich ein Vorschlag von Mechthild Geue vom Versöhnungsbund, den
ich weiter verbreiten möchte und hier anfüge.

Ich wünsche euch allen gesegnete Ostern und ein Festhalten an der
Hoffnung auf Auferstehung für alle Menschen auf der Welt.
----------------------------------------

Was tun? Außer die Ohnmacht mitaushalten? Welchen Beitrag können wir -
  vor allem als Deutsche - außer dem was so viele engagierte Menschen
hier schon tun - noch leisten. Mir ist im letzten Jahr immer wieder
der Gedanke in den Kopf gekommen, ob es nicht sinnvoll wäre, eine
Pressekampagne zu initieren, die auf freundliche, aber sehr
beharrliche Weise, Journalisten auf ihre Verantwortung anspricht, die
sie in diesem Krieg haben. Damit meine ich - neben der natürlich auch
notwendigen Berichterstattung über das was an Unterdrückung und
Gewalt geschieht - vor allem das kontinuierliche Bemühen, den sehr
beeindruckenden
Stimmen und Taten für ein friedliches Zusammenleben ein solches
Gewicht in der Weltöffentlichkeit zu geben, dass die Gewaltdogmatiker
und -propheten auf beiden Seiten vielleicht als ersten Schritt in
ihrer geistigen Macht verblassen. Denn angesichts der Worte und
Zeugnisse der Friedenssucher wird deutlich, dass alle Gewaltrezepte
von einer engen Sicht zeugen, von Emotionen statt von Realitätssinn
geprägt sind und nichts anderes als eine immer trauriger werdende
Zukunft verheißen. Doch leider ist es so, dass wir immer noch die
Berichte über die Friedenszeugnisse fast begierig suchen müssen. Ich
habe schon vor Monaten in diesem Sinne mal einen Brief an den Stadt-
Anzeiger geschrieben, der aber nicht veröffentlicht wurde.

Josef und ich haben heute morgen überlegt, wie eine solche Kampagne
von der Idee in die Tat umzusetzten wäre. Vielleicht müsste sich als
erster Schritt eine Arbeitsgruppe bilden, die vor allem solche
Berichte, Stellungnahmen, Biographien sammelt. Und dann Strategien
entwickelt, wie sie eine möglichste breite Presse dazu bringen
könnte, sie zu  veröffentlichen. Vielleicht ist ein solches Vorgehen
gerade in Deutschland wichtig, da es den Vorwurf des Antisemitismus
von vornhern ad absurdum führt. Wichtig wäre ja auch ein Bestärkung
der Deutschen, Europäer, Amerikaner jüdischen Glaubens, die ebenfalls
von gewaltfreien Strategien als den einzig sinnvollen überzeugt sind.
Neben dem Mitgefühl für die Menschen in Palästina und die Opfer der
Selbstmordattentate mache ich mir auch wirklich Sorgen, was die
gegenwärtige Politik für die Menschen jüdischen Glaubens in aller
Welt bedeuten wird. Und es fällt manchmal nicht leicht zu begreifen,
warum bei vielen das Vertrauen in die Strategie der harten Hand so
ungebrochen ist, ganz abgesehen von grundsätzlichen ethischen
Erwägungen. Wie können wir angesichts unserer Geschichte Gespräche in
dieser Richtung suchen?

#25 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Sam 10. Apr 2004 7:38
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
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#24 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Fr 9. Apr 2004 9:50
Betreff: Aktuellles aus den besetzten Gebieten
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[Ein möglichst täglicher Rundbrief mit Berichten aus Palästina, meist
von Augenzeugen, entweder von Aktiven der International Solidarity
Movement oder Israelis, die sich für die Palästinenser engagieren.
Sie kommen entweder von der ISM oder von Dorothy Naor, von der
Frauenorganisation New Profile, die sich gegen die Militarisierung
Israels wendet.  Bitte an Interessierte weiterleiten.  Wer die
Berichte regelmäßig erhalten möchte, sende eine leere Email an: Brief-
aus-Israel- subscribe@...]

Liebe FreundInnen,

als erstes heute eine dringende Bitte: Die UNO, bzw. UNRWA wird von
der israelischen Regierung seit einigen Tagen daran gehindert, leere
Hilfsgüter-Container aus Gaza raus zu fahren und sie haben nun keine
Möglichkeit mehr, Hilfsgüter hinein zu bringen. Seit fast 4 Jahren
bringt die UNRWA täglich etwa 250 Tonnen Lebensmittel nach Gaza.
Durch die Abriegelung ist ein Großteil der Bevölkerung Gazas auf
diese Lieferungen angewiesen -  dieses Verbot bedeutet also
Unterernährung und gar Verhungern, vor allem für die immer zuerst
betroffenen Kinder.  Die Israelis Oren Medicks und Gila Svirsky haben
eine Petition an die Regierung vorbereitet, dass man der UNRWA und
anderen Organisationen ermöglicht, die Lieferungen wieder
aufzunehmen, oder dass die Regierung selber diese übernehme.  Die
Petition kann unterschrieben werden bei
http://www.PetitionOnline.com/Aid2Gaza/ .  Bitte unterschreibt und
verbreitet den Aufruf weiter.

Auf meinem Computer sind mehrere Berichte über den Weiterbau der
Mauer, über den Verlust von Land und Lebensmöglichkeit, über die
"Gefangennahme", die die immer größer werdenden
Bewegungseinschränkungen bedeuten.  Obwohl jeder einzelne aufs neue
betroffen macht, werde ich mich beschränken auf den Brief, mit der
Dorothy Naor mehrere Berichte einführt und der die ganzen furchtbaren
und traurigen Einzelheiten in ihr Mitgefühl einschließt, sowie den
(verkürzten) Brief des jungen Israeli Daniel Tsal, in dem er um
Befreiung aus dem israelischen Militärdienst bittet.  Er und andere
gleichgesinnte junge Leute sind ein Hoffnungszeichen in einer für
beide Teile, Israelis und Palästinenser, düsteren Zeit. Auch wer kein
Englisch kann, kann sich der frischen und entschlossenen Gesichter
von fünf jungen Schulabgängern erfreuen, die gemeinsam verweigert
haben und nun - nach einer Reihe von 28-tägigen Haftstrafen, die
immer wieder neu verhängt wurden, als sie immer wieder den Einzug ins
Militär verweigerten - zu einem Jahr Gefängnis verurteilt sind.
Klickt dazu einfach www.refuz.org an. Daniel muss sich am 13. April
bei der Einberufungsbehörde melden.  Er wird sich wieder weigern und
vermutlich in ein Militärgefängnis gebracht werden, als erster nach
den fünf Erwähnten.  New Profile und das Forum der Eltern von
Verweigern werden ihn begleiten.
Außerdem im Anhang ein bewegender Bericht von Rita Amer Mahud über
ihren Besuch bei Verwandten in Ramallah vor einem Jahr.
--------------------------------------------------
Dorothy schreibt:

Ihr Lieben alle,

der angefügte Bericht [aus der Zeitung Ha'arez] sagt mir als nur,
dass sich Protest gegen die Mauer richtete.  Der Berichterstatter
erwähnt, dass Olivenbäume gefällt und ein Haus zerstört wurden.  Bis
jetzt haben die meisten Medienberichte behauptet, dass der Protest
sich gegen die Mauer/den Zaun richtet.  Das ist absichtlich
irreführend.  Ich mache den Reporter keine Vorwürfe.  Sie erhalten
ihre Informationen von Sprecher der IOF.  Aber die Medien sind
mitschuld, weil sie nichts nachprüfen.  Die Palästiner wollen die
Mauer/den Zaun sicherlich nicht haben, aber wenige würden sich
dagegen wenden, dass sie auf der vor dem 6. Juni 1967 bestehenden
Grenze errichtet würde (die sogenannte Grüne Linie).  Die
Palästinenser wenden sich dagegen, dass ihr Boden, ihre Bäume, ihre
Landwirtschaft ihnen gestohlen werden und dass ihre Wohnungen durch
diese Monstermauer zerstört werden, die außerdem Familien voneinander
trennen sowie Kinder von ihren Schulen, Dörfern und Städte von
Wasserquellen und vielem mehr.

Wenn ihr also nüchterne Berichte lest von Protesten gegen die
Mauer/Zaun, stellt euch dabei bitte vor, wie es für Menschen sein
muss, so viel zu verlieren.  Haltet einen Moment inne und zwingt eure
Phantasie dazu, sich vorzustellen wie es wäre, wenn Bulldozer
plötzlich vor dem Gebäude erscheinen würden in dem ihr wohnt und
anfingen, es ohne Vorwarnung zu zerstören, ohne Zeit irgendetwas,
außer vielleicht euch selber, herauszubringen - Bücher, Fotoalben,
Kleidung, Spielsachen, CDs, Computer - alles was ihr besitzt, eure
ganze Geschichte und Identität (zusammen mit dem materiellen Besitz)
in wenigen Minuten weg.  Stellt euch vor wie es wäre nach dem ersten
ungläubigen Schock.  Wohin würdet ihr gegen, was würdet ihr tun, wo
würdet ihr Kochen, duschen, die Zähne putzen, euch an- und ausziehen,
die Kinder oder Enkel füttern, schlafen, usw. usw.????  Versucht euch
vorzustellen dass die Bulldozer euren Garten oder den nahegelegenen
Park zerstören und alles in eine Wüste verwandeln - die Bäume und
Büsche ihr geliebt und gepflegt habt oder unter denen ihr gesessen
habt, die Blumen, die ihr gepflanzt habt.  Es wäre entsetzlich.  Und
wie viel entsetzlicher, wenn mehrere Hundert Jahre alte Olivenbäume,
die seit Generationen der Familie gehören und die die Grenze zwischen
Verhungern und Nichtverhungern für viele Familien bedeuten,
entwurzelt werden.
-----------------------------------------
An den Verteidigungsminister Shaul Mofaz
Von Daniel Tsal, ID 7-20015889
Betreff: Meine Weigerung, in die IDF einzutreten

Ich bitte hiermit, von dem pflichtmäßigen Dienst in der IDF befreit
zu werden aus Gewissensgründen und mir stattdessen zu erlauben, einen
alternativen Dienst außerhalb der Armee zu verrichten.  Wenn es mir
nicht ermöglicht wird, so befreit zu werden, werde ich gezwungen
sein, den Dienst zu verweigern.  Ich habe über dieses Vorgehen im
vergangenen halben Jahr nach gecacht und handle nach viel Zögern, mit
dem wachsenden Verständnis, dass keine mir mögliche Entscheidung
vollkommen sein wird sondern nur so gut wie möglich, angesichts der
komplizierten aktuellen Situation unseres Landes.  Die tiefgehende
Studie der vergangenen und gegenwärtigen Ereignisse in unserer Region
hat mich dazu geführt, zu verstehen, dass dieser Schritt der
Weigerung legitim und sogar notwendig ist.  Er ist nicht eine
subversive Handlung, die sich gegen die Fundamente der Demokratie
richten.  Die Prinzipien der "einzigen Demokratie im nahen Osten"
sind bedeutungsleer geworden durch das Zertreten der Rechte von etwa
drei Millionen Menschen, und indirekt durch die fortgeführt
Zerstörung der Grundlagen, auf denen der Staat Israel gebaut sein
soll.

Vor zwei Jahren, als ich meine erste Einberufung zum Militärdienst
erhielt, war es mir klar, dass ich in die IDF eintreten würde.  Ich
war offensichtlich kritisch dem Militärsystem gegenüber, aber
Verweigerung oder Vermeidung der Einberufung schein mir keine Option
zu sein.  Im Hause meiner Eltern wurde ich erzogen mit den Werten der
Gleichheit und der Toleranz. Mir wurde fest eingeprägt, wie wichtig
es sei, den "anderen" anzunehmen.  Weil ich aber bis vor einem Jahr
noch keinen klaren Begriff der israelischen Besetzung, seiner Härte
und seine Auswirkungen auf die beiden beteiligten Völker hatte,
konnte ich das Militärsystem nicht als ein Werkzeug erkennen dass in
der jetzigen Form in direktem Gegensatz zu den Werten, die meine
Eltern mir mitgegeben haben, steht.  Als ich noch in der Schule war,
sah ich Muhammad Bachris Film Jenin, Jenin.  Dieser Film hat mich
tief beeindruckt.  Er hat mich bewegt und beängstigt weil ich
verstand, worin die Besetzung besteht und was sie bedeutet.  Ich
hatte aber immer noch vor, zu dienen.

[Daniel führt dann aus, wie er durch Lektüren, Besuche in den
besetzten Gebieten und gewaltfreie Unterstützung der Palästinenser
immer deutlicher diese Bedeutung erkannte.  Er betont, wie wichtig es
wäre, dass viele israelische Jugendliche solche Erfahrungen machten.
Er setzt sich auch mit der Frage auseinander, was junge Leute wie er
selber dazu führen kann, sich selbst umzubringen und Unschuldige mit
in den Tod zu reißen.]

Ich bilde mir natürlich nicht ein, dass meine Weigerung ein Teil des
Militärsystems zu sein, mich der Mitverantwortung enthebt für das,
was dort passiert...  Ich halte [aber] jede militärische Rolle ...
als Mitschuld an den Verbrechen, die dort begangen werden.  Die Armee
heute ist eine kriminelle Armee und ich bin außerstande, einzutreten
und Teil eines solchen kriminellen und unterdrückerischen System zu
werden...

Aus den oben erwähnten Gründen bitte ich, mich von der Einberufung in
die IDF zu befreien und mir die Alternative des nationalen Dienstes
zu ermöglichen.

#23 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Fr 9. Apr 2004 9:50
Betreff: Aktuellles aus den besetzten Gebieten
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#22 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Do 8. Apr 2004 13:46
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
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[Ein möglichst täglicher Rundbrief mit Berichten aus Palästina, meist
von Augenzeugen, entweder von Aktiven der International Solidarity
Movement oder Israelis, die sich für die Palästinenser engagieren.
Sie kommen entweder von der ISM oder von Dorothy Naor, von der
Frauenorganisation New Profile, die sich gegen die Militarisierung
Israels wendet.
Bitte an Interessierte weiterleiten.  Wer die Berichte regelmäßig
erhalten möchte, sende eine leere Email an: Brief-aus-Israel-
subscribe@...]

Liebe Leute,
Bitte unterschreibt die Petition gegen die Mauer unter
http://www.petitiononline.com/WBWall01/petition.html
----------------------------------------
nach einigen Tagen Pause meinerseits kommen zwei Berichte aus
Jayyous, wo etwa 10 Tage vorher 6 junge Männer bei einem friedlichen
Protest gegen die Mauer festgenommen wurden.  Der erste berichtet
über die Situation der Männer, der zweite ist ein Auszug eines
Briefes von einem jungen italienischen Besucher Palästinas an seine
Familie, der empfindsam über die Auswirkungen der gegenwärtigen
Eskalation auf das Alltagsleben und die Gefühle der Palästinenser
schreibt.
------------------------------------------
Zunächst berichtet eine Freiwillige von den jungen Männern, die
festgenommen wurden.  Offensichtlich sind nach einem Aufruf
Protestanrufe aus aller Welt eingegangen.  Was natürlich nicht
bedeutet, dass sie freikommen, aber moralische Unterstützung bringt,
die manchmal noch wichtiger ist.  Dann wird aufgeführt, wie schwierig
es ist, überhaupt die Männer zu erreichen.  Selbst das Rote Kreuz und
Anwälte müssen oft lange warten.  Den Familien wird praktisch
überhaupt keine Auskunft erteilt.  Das Rote Kreuz kann nach einigen
Wochen zumindest Kleider und Schuhe bringen und nach ihrem Zustand
schauen.  Einer der Männer hat schon mal einen Gerichtstermin, für
ein Verhör, nicht ein Prozess.  Er wird als gefährlich eingestuft,
was lediglich aussagt, dass der Staat Israel überzeugt ist, dass er
"gegen die Besetzung" ist.  Damit kann man natürlich jeden
Palästinenser inhaftieren.  Nach dem Verhör kann er freigelassen
werden, oder auch nicht.  Er ist bereits Familienoberhaupt - ohne ihn
und seinen Verdienst ist die Familie völlig mittellos.  Und die
Freiwilligen können nur die Familien besuchen.
Der Bericht schließt: "Wir werden vielleicht akzeptieren müssen, dass
die Männer viel länger weg bleiben, als wir und vorgestellt haben.
Im Moment gibt es noch einen Hoffnungsschimmer.  Ich habe so etwas
noch nie erlebt und weiß nicht einmal, wie ich darauf reagieren soll.
Dieses fiel mir vor einigen Stunden auf einem Spaziergang ein.  Ich
werde versuchen, auszudrücken, was ich in der Natur empfunden habe.

Vor Monaten hat mich ein Dorfbewohner gebeten "schreib eine
Geschichte über das Familienleben hier.  Sag der Welt, wie wichtig
das Familienleben für uns ist."  Bis jetzt habe ich meine Gedanken
nicht sammeln können.  Die Festnahme von 6 Männern hier hat mir die
Möglichkeit gegeben, die starken Familienbande hier zu beobachten.

Familie ist alles...  wenn man sieht dass diese Menschen nichts an
materiellen Gütern haben, viele haben kaum Geld und Schwierigkeiten
ihre Familien zu ernähren und Dinge, Dinge Dinge ...existieren
einfach nicht.  Von Tag zu Tag bemerke ich mehr und mehr, wie einfach
das Leben hier ist.  Einfach, nicht leicht.  Nie leicht.

Seit die Männer festgenommen wurden, habe ich vor allen in ihren
Müttern eine Veränderung gesehen.  Ihre Augen sind leer.  Eine
Mutter, mit der ich vor einer Stunde sprach sagte mir, "heute habe
ich zum ersten mal gekocht seit Shadis Festnahme."  Kochen ist
natürlich hier im Dorf täglich Tradition.  Schwarze geschwollene
Augen von den Tränden der Brüder, Schwester, großeltern, Mütter und
Väter.  Einer der Männer, dessen Bruder geholt wurde, hat keine
Mutter und keinen Vater und schläft jetzt ganz allein zuhause.
Ungewöhnlich.  Einer der Brüder hat nicht mehr als eine Mahlzeit
gegessen seit der Festnhme und sein Schlaf ist schwer gestört.  Er
und sein Bruder schliefen 19 Jahre lang nebeneinander.  Wir besuchten
eine Familie, die zwei Brüder an die Inhaftierungen verloren haben.
Die Frau eines der Brüder sieht aus als fühle sie, dass er für immer
weg ist.  Das Familienheim ist verändert.  Eine Mutter setzt sich
dafür ein, dass ihr Sohn seinen Studienplatz an der Universität
behält.

Das ist das Leben hier.  Familie, sonst nichts.  Menschen, die
Menschen brauchen.  Ich kann viel aus diesem Erlebnis lernen.  Ich
bin dankbar, dass mir die Augen geöffnet werden und ich bin sehr
aufmerksam.  Ich werde davon ein besserer, mitfühlenderer Mensch
werden.  Dafür kann ich dem palästinensischen Volk danken.
-----------------------------------
Zum Schluss berichtet ISM über die Zerstörung des Hauses eines
gewaltfreien Gemeindeleiters aus Ramallah:

[Kharbathat Bani Harith, Ramallah] Frühmorgens am 1. April hat das
israelische Militär beschlossen, die Wohnung der Familie von Aziz
Hassan Admed nieder zu wälzen.  Die Bulldozer kamen schonmal vor 4
Monaten, es its aber dem Anwalt von Aziz gelungen, eine einstweilige
Verfügung zu bewirken.  Als Aziz das jetzt dem Offizier sagte, hat er
nur geantwortet mit der Wahl, sein Heim "friedlich" oder "gewaltsam"
demolieren zu lassen: d.h. er konnte den Besitz der Familie retten
oder ihn mit zerstören lassen.

Aziz antwortete, dass es bestimmt nicht der Armee helfen würde, sein
Zuhause zu zerstören und zeigte seine Entschlossenheit, sich der
Zertstörung zu widersetzen.  Er bestand darauf, einen
Zerstörunsbefehl zu sehen, aber der Zivilverwalter konnte nur einen
Befehl von 1995 vorzeigen, in dem behauptet wurde, das Haus sei ohne
GEnehmigung gebaut worden.  Dabi ist die Armee in Kharbathat Bani
Harith eine Besatzungsarmee die eindeutig gegen viele UN Resolutionen
und der Genfer Konvention verstößt.

Einige der diensthabenden Soldaten sagten dass das Haus zerstört
wird, weil es der Familie eines "Terroristen" gehört. (Ein Bruder von
Aziz, seit 2 1/2 Jahren im Gefängnis, ist zu 36 jahren verurteilt
worden wegen "Beteiligung an einer Verschwörung zu terroristischen
Aktivitäten".)  Dabei heißt es in der vierten Genfer Konvention
"Keine geschützte Person darf für ein Vergehen bestraft werden, das
er oder sie nicht persönlich ausgeführt hat.  Kollektivstrafen und
alle Einschüchterungsmaßnahmen sind verboten."

Aziz glaubt, dass sein Haus zerstört wurde wegen seiner Beteiligung
an der Mobilisierung von gewaltfreiem, massenhaften Widerstand gegen
die Apartheidmauer in der Region.  Am 25. März 2004 wurden mehr als
35 friedliche Protestierer während der gewaltsamen Unterdrückung
einer gewaltfreien Aktion, die Aziz mit organisiert hat. Sein Haus
wurde schließlich ohne vorwarnung zerstört, obwohl der Offizier
behauptete, er hätte die Familie 2 Wochen vorher gewarnt.

Sein Haus war nur der erste Schritt.  Nachdem es zerstört war, fuhren
die Bulldozer weiter zum unfertigen Haus seines Vaters.
Mittlerweilen war es 5 israelischen Aktivisten gelungen, auf das Dach
zu kommen, während eine Menge von etwa 100 Palästinenser als
Unterstützer dabeistanden.  Die Soldaten versuchten eine Zeit lang,
die Protestenden zu entfernen, zogen sich aber dann zurück.

Nach etwa 2 Stunden kehrten die Soldaten zurück.  Sie brachten 6
Fahrzeuge und sprerrten das ganze Gebit ab.  Ohne Provozierung
griffen sie die Menge der friedlichen Demonstranten an.  Sie feuerten
Tränengas, gummiummantelte Kugeln in die Menge und scharfe Munition
in die Luft.  Außerdem versuchten sie, das Dokumentieren der Aktion
zu verhindern.  Dennoch sind Photos zu besichtigen unter
http://www.palsolidarity.org/pictures/PHOTOS_1Apr04_19_33_56RamallahJe
ff.htm.  Die Aktivisten holten sie gewaltsam vom Dach und zerstörten
das Haus, so dass eine ganze Familie obdachlos wurde
--------------------------------------------
Schließlich füge ich als Anhang zwei Artikel bei, die Ellen Rohlfs
überstetzt hat, einer über Mauern und die Mauer und einen zweiten von
Uri Avnery, ein Brief an Präsident Arafat zum kontroversen Film "Die
Passion Christi", die ich gerade zu Ostern allen LeserInnen ans Herz
lege.

Anka Schneider

#21 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Do 8. Apr 2004 13:46
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
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#20 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Do 8. Apr 2004 13:46
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
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#19 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Fr 2. Apr 2004 8:59
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
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#18 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Fr 2. Apr 2004 8:59
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
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#17 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Fr 2. Apr 2004 8:59
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
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Liebe FreundInnen,

Da ich nichts Aktuelles von New Profile habe (was hoffentlich nur auf
Abwesenheit oder Überlastung zurückzuführen ist), schicke ich heute
ein etwas älteren Bericht über palästinensische Höhlenbewohner, die
offenbar auch Israel ein Dorn im Auge sind.  Und ich hänge den
FAZleserbrief an, den ich gestern vergessen habe, plus ein Artikel
aus Israel, den Ellen Rohlfs übersetzt hat.

Dann bin ich bis nächsten Mittwoch auf einem Seminar, bis dann fällt
die Post aus.

Nochmal die Bitte, den Brief weiterzugeben an Interessierte. Er kann
abonniert werden mit einer leeren Email an Brief-aus-Israel-
subscribe@....

Gruß,
Anka
-------------------------------------
Demographische Kriege
Neve Gordon

An dem südlichen Zipfel der Westbank, an einem Berhgang, gibt es ein
kleines Dorf palästinisischer Höhlenbewohner.  Es heißt Jinba und ist
das Heim von etwa dreihundert Leuten.  Ein Besucher würde wohl Schafe
auf einem nahegelegenen Hügel weiden sehen und einen Traktor, der die
Felder pflügt.  Eine idyllische Szene, vor allem nach der Regenzeit,
wenn die Wüste grün geworden ist.

Aber auch hier ist die scheinbare Ruhe wenig mehr als Illusion.
Ähnlich wie bei den anderen Höhlenbewohner in der Berg Hebron Region,
ist das Leben in Jinba unerträglich geworden, und die kleine
Landgemeinde steht vor der Vernichtung.

Wenige hundert  Meter weiter südlich hat das israelische Militär ein
Trainingslager aufgestellt und hat viele Hektar Agrarland
beschlagnahmt, das vorher den Bewohnern gehört hatte.  Gepanzerte
Fahrzeuge und Jeeps fahren unbeschränkt sogar auf Feldern neben dem
Dorf, die das Militär noch nicht beschlagnahmt hat,  zerstören da die
Ernte und erschrecken kleine Kinder.

Wenige hundert Meter nach norden, auf dem Grat des Berges, wurden
eine Reihe jüdischer Siedlungen und Außenposten gebaut.  Die Siedler
bedrohen jeden Palästinenser, der den Hang ersteigt, und hindern die
Bewohner daran, ihre nördlichen Felder zu pflügen und ihre Schafe
dort zu weiden.  zusätzlich haben diese Siedler den Weg zwischen
Jinba und Yatta, der größere Ort der Region, wo die Höhlenbewohner
Grundnahrungsmittel kaufen und medizinische Dienst aufsuchen können.

So haben das Militär und die Siedler erfolgreich die Einwohner auf
ein winzigen Stück Land beschränkt, das kaum ausreicht, um die
Bevölkerung zu ernhären.  Die Bewohner sind auf eine Art Wüsteninsel
begrenzt, in vielen Aspekten ist ihr Leben jetzt dem Leben Tausender
Paläsinenser ähnlich, die gefangen sind zwischen der
Trennungsbarriere - eine komplexe Reihe Gräben, Straßen und Zäune -
und der Grünen Linie; es ist extrem schwierig, in die Westbank zu
reisen und unmöglich nach Israel zu gelangen.  Ihre Bewegungen sind
streng begrenzt und sie sind in gewissem Sinne Gefangene.

Vor zwei Monaten haben die Höhlenbewohner einen weiteren Schlag
erlitten.  Am 15. Januar hat ein kleines Flugzeug einige Felder, die
die Dorfbewohner noch betreten durften, besprüht und den Ertrag mit
Chemikalien zerstört, den die Dörfler kurz vorher erst gepflanzt
hatten.  Was auf dem Boden nicht gelang, wurde aus der Luft
ausgeführt.

Die Botschaft an die Bewohner von Jimba war klar: ihr bleibt nicht
mehr lange auf diesem Land.

Die Methode ist, die Infrastruktur zu zerstören, so dass die Bewohner
"freiwillig" das Land verlassen.  Auf Hebräisch nennt man das
"Transfer".

ABer wer steck hinter diesem düsteren Komplott?

AM 4. Februar haben Ta'ayush Aktivisten (eine jüdisch-arabische
Partnerschaft) mit einer Rechtsanwältin von der Association for Civil
Rights und ein Arbeiter von Physicians for Human Rigts Jinba besucht.
  Während sie dort waren, hat die Rechtsanwältin die Polizei in Hebron
angerufen und sie gebeten, nach einer Klage wegen Belästigung durch
Siedler zu schauen.  Sie hatte keine Ahnung, was darauf folgen würde.

Vier Nächte später, um etwa 3 uhr, kamen drei Autos nach Jinba.  Die
Besucher schienen Sicherheitsoffiziere der nahen Siedlungen zu sein.
Sie weckten die Höhlenbewohner und trenntetn die Männer und Frauen.
Kinder schrieen und Alte weinten, aber die bewaffnet Männer
beeindruckte das nicht.  Sie nahmen die Männer zur Seite und
bedrohten sie.

"Wagt es nicht, in die Richtung Mitzpeh (ein illegaler Außenposten)
und kommt nicht in die Nähe von Bir El-Ad (auf dem Weg zur regionalen
Hauptstadt Yatta)", brüllten die Siedler, und verkleinerten so den
Lebensraum der Dorfbewohner noch weiter.

Bevor sie gingen, warnten die Siedler dass, wenn die Leute noch
einmal mit Rechtsanwälten oder Ta'ayush Aktivisten zusammenarbeiten
würden, würde man ihr Leben zur Hölle machen.

Die Siedler können israelische Aktivisten nicht direkt daran hindern,
die Höhlenbewohner zu besuchen, also terrorisieren sie die örtlichen
Palästinenser.  Ihre bedrohung richtet sich auch gegen die
Friedensaktivisten.  Jedes mal dass jemand hingeht, um Hinweise zu
sammeln, machen wir das Leben der Bewohner noch elender.  Das ist ein
paradigmatisches Beispiel davon, wie die Siedler versuchen , die
Arbeit der Israelis, die kämpfen um die grundliegenden Rechte der
eingeborenen Bevölkerung, zu torpedieren.

Das geschickt orchestrierte Komplott, um das Leben der Einwohner von
Jinba zu verbittern, zeigt, dass in der Berg Hebron Region die
Brecher des Gesetzes mit denen zusammenarbeiten, die dafür bezahlt
werden, es zu schützen: eine unheilige Allianz ist zwischen den
Siedler auf der einen Seite und dem Militär und der Polizei auf der
anderen etabliert worden.  Wer hat den Siedlern gesagt, dass eine
Rechtsanwältin in Jinba war?  Wer hat die Felder besprüht?  Und wer
hat den Soldaten erlaubt, die Felder zu zertramplen und die Aussaat
mit ihren Fahrzeugen zu zerstören?

Die Ungeheuerlichkeit der Gefahr, vor der die Höhlenbewohner stehen
wird noch deutlicher, wenn man den schnellen Bau der sogenannten
Trennungsbarriere miteinbezieht.  Gemäß der Karten, die die
israelischen Regierung herausgegeben hat, wird die Barriere nördlich
der Dörfer der Höhlenbewohner entlang geführt werden.  So, wie die
weiter nördlich gelegenen Dörfer, werden sie zwischen der Barriere
und der Grünen Linie gefangen sein.

Die weitergehende Belästigung der Höhlenbewohlner und der Versuch,
ihre Infrastruktur zu zerstören sollten also gesehen werden als Teil
eines Zermürbungskrieges.  Bis die Barriere in dieser Region gebaut
ist, wird der Zugriff der Palästinenser auf das Land sehr
zerbrechlich sein.  Es wird also relativ leicht sein, sie zu
entwurzeln und auszutreiben von ihren Wohnungen, damit das Land ohne
Palästinenser annektiert werden kann.

Die Situation im südlichen Hebron ist nur ein Mikrokosmost des großen
israelisch-palästinensischen Konflikts, den die gegenwärtige
israelische Regierung als demographischen Krieg konzipiert:  sie will
soviel Land wie möglich an sich reißen wie sie können, ohne die
jüdische Mehrheit im Staat zu gefährden.  Auf Hebräisch, wie schon
gesagt, wird dieses Schema "Transfer" genannt.

Wer die Kampagne von Ta'ayush in Süd-Hebron unterstützen will, kann
Neve Gordon erreichen unter neve_gordon@....

#16 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Do 1. Apr 2004 11:45
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
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Liebe Leute,

Ich werde versuchen, nicht ständig Aufforderungen zu Aktionen zu
schicken, aber diese Nachricht liegt schon eine Weile zurück, während
andere Berichte sie verdrängten.  Sie ist aber nach wie vor sehr
wichtig für einen der für seine gerechte und mutige Handlung eine
lange Strafe ertragen hat,  und wird euch allen wärmstens ans Herz
gelegt.

IPB ERKLÄRUNG ZUR BEVORSTEHENDEN ENTLASSUNG VON MORDECHAI VANUNU

Genf, 11. März. Das International Peace Bureau hat heute die
israelischen Behörden aufgerufen, den berühmten "whistleblower"
(einer der auf eine Sache aufmerksam macht und ihr Halt gebietet)
Mordechai Vanunu ohne Bedingungen, spätestens wenn seine Haftzeit am
21. April zuende geht.  Vanunu stehen dann alle Rechte und
Freiheiten, die normalen israelischen Bürgern zuerkannt werden, auch
zu, inklusive das Recht auf einen Pass und Auslandsreisen.  Es ist
ein grundliegendes Menschenrecht, sein Land zu verlassen und zu ihm
zurück zu kehren.  Vanunu wurde 1986 gekidnapped, festgenommen und
vor Gericht gestellt.  Fast 12 seiner 18 Jahren im Gefängnis hat er
in Einzelhaft verbracht.  Angesichts der Unruhen im Land und die
Präsenz von Extremisten, sollte Israel seine Verantwortung für die
Sicherheit Vanunus erweisen, indem es sein Recht respektiert,
woanders in der Welt zu leben.

Das IPB glaubt, dass Vanunu einen mutigen Dienst an der
Öffentlichkeit vollbrachte, indem er der Welt den Beweis lieferte,
die jeden Zweifel tilgte, dass Israel einen nuklearen Waffenarsenal
besaß.  Das IPB unterestützt die langehegte Position der
Generalversammlung der UNO zugunstenen einer atomfreien Zone im Nahen
Osten.

Das IPB hat Vanunu 1994 seinen jährlichen Sean MacBride Friedenspries
zuerkannt, und er wurde 2000 zur Vizepräsidentschaft des Bureau
gewählt und 2003 wiedergewählt.

Das IPB bittet um Briefe and die israelischen Botschafter des
jewiligen Landes sowie an die Regierung Israels. Außerdem bittet das
Büro um Unterstützung eines Fonds, der Vanunu helfen will, ein neues
Leben aufzubauen.   Informationen dazu über
www.peaceispossible.info/thankyouvanunu.php.  Ich füge hier den Brief
auf Englisch bei, der in dieser Form an die israelische Regierung
gerichtet werden kann.

Dear Prime Minister Ariel Sharon,

The prison term of Mordechai Vanunu ends on April 21. Vanunu is then
entitled to all the rights and freedoms accorded to normal Israeli
citizens, including the right to a passport and to travel abroad.  It
is a fundamental human right to leave and return to one's own
country. Given the unrest in the country, and the presence of
extremists,  I request that Israel show its responsibility for
Vanunu's safety by respecting his right to live elsewhere in the
world.

Sincerly yours,
----

Sharon email: pm_eng@...; Fax 00972 2 566 4838

Botschafter Shimon Stein email: botschaft@...; Fax 030-8904
5500
-----------------------------
Von ISM

Land Day in Beitunia, Ramallah

Seit zehn Tagen arbeiten die Bulldozer in Beitunia, eine Stadt mit 20
000 einwohner vier Kilometer von ramallah.  Der Weg der
Apartheidmauer wird 17 000 dunum Land beschlagnahmen [Korrektur: ein
dunum ist nicht 1/4 Ha sondern 1/4 acre, also 1/10 Ha] - 2000 für die
Mauer und 15 000, die auf der israelischen Seite liegen werden.
Dieses gestohlene Land besteht aus Olivenhaine, Weizenfelder und
Weinstöcken.  Der Stadt wird nur das bebaute Gebiet bleiben.  In der
Vergangneheit hat Beitunia bereits 1000 Dunum an einen Militärposten
verloren, 2000 an die Siedlung Givat Zeev und 3000 an
Umgehungsstraßen, auf denen die Palästinenser nicht fahren dürfen.

Beitunia hat heute eine Demonstration beschlossen um gegen den
Diebstahl des Landes zu protestieren und die Errichtung der Mauer zu
stoppen.  etwa 150 Palästinenser und 20 israeli und internationale
Aktivisten gingen durch die Stadt zum Baugebiet.  Die Bulldozer
arbeiteten nicht, Soldaten schützten aber die Geräte.  Die Protestler
gingen einen Berg hoch auf die Soldaten zu.  Nach einigen
Gummigeschossen und Steinewerfen erreichten die Protestler die
Soldaten.  Zu dieser Zeit kamen mehr Jeeps an und brachten die Zahl
der Soldaten auf etwa 25.  Ein friedliches Sit-in wurde veranstaltet;
die Demonstrierer sangen Lieder und schwenkten palästinensische
Fahnen.  Nach 30 Minuten beschlossen die Organisatore, zurück zum Ort
zu laufen.  Ein Jeep folgte ihnen.  Eine israeli Aktivisten stellten
sich davor, aber der Jeep fuhr weiter und hat sie beinahe umgefahren.
  Ein Israeli blieb auf der Haube liegen, als der Jeep weiterfuhr.
Als er abstieg, versuchten einige Demonstranten mit den Soldaten zu
reden.  Das führte aber zu einer Konfrontation zwischen Demonstranten
und Soldaten, die mit Schallbomben und gummiummantelten Stahlkugeln
antworteten, um die Menge zu zertreuen.  Als die Demonstranten
zurückwichen, folgten ihnen etwa ein Dutzen Soldaten, die ihre Waffen
abfeuerten....

Sechs Leute wurden von den gummiummantelten Kugeln verletzt, darunter
ein internationaler Mediziner, Freiwilliger bei der Union of
Palestinian Medical Relief Committee, und einige mussten wegen
Einatmen von Tränengas behandelt werden.

Zu keiner Zeit während der Demo war die Sicherheit der Soldaten oder
die militärische Ausrüstung gefährdet.  Die Menschen von Beitunia
haben nur protestiert um ihr Recht auf das Land, das ihnen gehört und
das sie bearbeiten.  Der Besitzer eines Kleidungsgeschäft hat gesagt,
"Es war eine gute Demo, und Beitunia wird in seinem Kampf gegen die
Mauer weitermachen."

Fotos der Aktion gibt es unter:
http://www.palsolidarity.org/pictures/PHOTOS_30Mar04_10_05_49Ramallah

#15 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Do 1. Apr 2004 11:45
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
ankaliese
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Liebe Leute,

Ich werde versuchen, nicht ständig Aufforderungen zu Aktionen zu
schicken, aber diese Nachricht liegt schon eine Weile zurück, während
andere Berichte sie verdrängten.  Sie ist aber nach wie vor sehr
wichtig für einen der für seine gerechte und mutige Handlung eine
lange Strafe ertragen hat,  und wird euch allen wärmstens ans Herz
gelegt.

IPB ERKLÄRUNG ZUR BEVORSTEHENDEN ENTLASSUNG VON MORDECHAI VANUNU

Genf, 11. März. Das International Peace Bureau hat heute die
israelischen Behörden aufgerufen, den berühmten "whistleblower"
(einer der auf eine Sache aufmerksam macht und ihr Halt gebietet)
Mordechai Vanunu ohne Bedingungen, spätestens wenn seine Haftzeit am
21. April zuende geht.  Vanunu stehen dann alle Rechte und
Freiheiten, die normalen israelischen Bürgern zuerkannt werden, auch
zu, inklusive das Recht auf einen Pass und Auslandsreisen.  Es ist
ein grundliegendes Menschenrecht, sein Land zu verlassen und zu ihm
zurück zu kehren.  Vanunu wurde 1986 gekidnapped, festgenommen und
vor Gericht gestellt.  Fast 12 seiner 18 Jahren im Gefängnis hat er
in Einzelhaft verbracht.  Angesichts der Unruhen im Land und die
Präsenz von Extremisten, sollte Israel seine Verantwortung für die
Sicherheit Vanunus erweisen, indem es sein Recht respektiert,
woanders in der Welt zu leben.

Das IPB glaubt, dass Vanunu einen mutigen Dienst an der
Öffentlichkeit vollbrachte, indem er der Welt den Beweis lieferte,
die jeden Zweifel tilgte, dass Israel einen nuklearen Waffenarsenal
besaß.  Das IPB unterestützt die langehegte Position der
Generalversammlung der UNO zugunstenen einer atomfreien Zone im Nahen
Osten.

Das IPB hat Vanunu 1994 seinen jährlichen Sean MacBride Friedenspries
zuerkannt, und er wurde 2000 zur Vizepräsidentschaft des Bureau
gewählt und 2003 wiedergewählt.

Das IPB bittet um Briefe and die israelischen Botschafter des
jewiligen Landes sowie an die Regierung Israels. Außerdem bittet das
Büro um Unterstützung eines Fonds, der Vanunu helfen will, ein neues
Leben aufzubauen.   Informationen dazu über
www.peaceispossible.info/thankyouvanunu.php.  Ich füge hier den Brief
auf Englisch bei, der in dieser Form an die israelische Regierung
gerichtet werden kann.

Dear Prime Minister Ariel Sharon,

The prison term of Mordechai Vanunu ends on April 21. Vanunu is then
entitled to all the rights and freedoms accorded to normal Israeli
citizens, including the right to a passport and to travel abroad.  It
is a fundamental human right to leave and return to one's own
country. Given the unrest in the country, and the presence of
extremists,  I request that Israel show its responsibility for
Vanunu's safety by respecting his right to live elsewhere in the
world.

Sincerly yours,
----

Sharon email: pm_eng@...; Fax 00972 2 566 4838

Botschafter Shimon Stein email: botschaft@...; Fax 030-8904
5500
-----------------------------
Von ISM

Land Day in Beitunia, Ramallah

Seit zehn Tagen arbeiten die Bulldozer in Beitunia, eine Stadt mit 20
000 einwohner vier Kilometer von ramallah.  Der Weg der
Apartheidmauer wird 17 000 dunum Land beschlagnahmen [Korrektur: ein
dunum ist nicht 1/4 Ha sondern 1/4 acre, also 1/10 Ha] - 2000 für die
Mauer und 15 000, die auf der israelischen Seite liegen werden.
Dieses gestohlene Land besteht aus Olivenhaine, Weizenfelder und
Weinstöcken.  Der Stadt wird nur das bebaute Gebiet bleiben.  In der
Vergangneheit hat Beitunia bereits 1000 Dunum an einen Militärposten
verloren, 2000 an die Siedlung Givat Zeev und 3000 an
Umgehungsstraßen, auf denen die Palästinenser nicht fahren dürfen.

Beitunia hat heute eine Demonstration beschlossen um gegen den
Diebstahl des Landes zu protestieren und die Errichtung der Mauer zu
stoppen.  etwa 150 Palästinenser und 20 israeli und internationale
Aktivisten gingen durch die Stadt zum Baugebiet.  Die Bulldozer
arbeiteten nicht, Soldaten schützten aber die Geräte.  Die Protestler
gingen einen Berg hoch auf die Soldaten zu.  Nach einigen
Gummigeschossen und Steinewerfen erreichten die Protestler die
Soldaten.  Zu dieser Zeit kamen mehr Jeeps an und brachten die Zahl
der Soldaten auf etwa 25.  Ein friedliches Sit-in wurde veranstaltet;
die Demonstrierer sangen Lieder und schwenkten palästinensische
Fahnen.  Nach 30 Minuten beschlossen die Organisatore, zurück zum Ort
zu laufen.  Ein Jeep folgte ihnen.  Eine israeli Aktivisten stellten
sich davor, aber der Jeep fuhr weiter und hat sie beinahe umgefahren.
  Ein Israeli blieb auf der Haube liegen, als der Jeep weiterfuhr.
Als er abstieg, versuchten einige Demonstranten mit den Soldaten zu
reden.  Das führte aber zu einer Konfrontation zwischen Demonstranten
und Soldaten, die mit Schallbomben und gummiummantelten Stahlkugeln
antworteten, um die Menge zu zertreuen.  Als die Demonstranten
zurückwichen, folgten ihnen etwa ein Dutzen Soldaten, die ihre Waffen
abfeuerten....

Sechs Leute wurden von den gummiummantelten Kugeln verletzt, darunter
ein internationaler Mediziner, Freiwilliger bei der Union of
Palestinian Medical Relief Committee, und einige mussten wegen
Einatmen von Tränengas behandelt werden.

Zu keiner Zeit während der Demo war die Sicherheit der Soldaten oder
die militärische Ausrüstung gefährdet.  Die Menschen von Beitunia
haben nur protestiert um ihr Recht auf das Land, das ihnen gehört und
das sie bearbeiten.  Der Besitzer eines Kleidungsgeschäft hat gesagt,
"Es war eine gute Demo, und Beitunia wird in seinem Kampf gegen die
Mauer weitermachen."

Fotos der Aktion gibt es unter:
http://www.palsolidarity.org/pictures/PHOTOS_30Mar04_10_05_49Ramallah

#14 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Do 1. Apr 2004 11:45
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
ankaliese
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Liebe Leute,

Ich werde versuchen, nicht ständig Aufforderungen zu Aktionen zu
schicken, aber diese Nachricht liegt schon eine Weile zurück, während
andere Berichte sie verdrängten.  Sie ist aber nach wie vor sehr
wichtig für einen der für seine gerechte und mutige Handlung eine
lange Strafe ertragen hat,  und wird euch allen wärmstens ans Herz
gelegt.

IPB ERKLÄRUNG ZUR BEVORSTEHENDEN ENTLASSUNG VON MORDECHAI VANUNU

Genf, 11. März. Das International Peace Bureau hat heute die
israelischen Behörden aufgerufen, den berühmten "whistleblower"
(einer der auf eine Sache aufmerksam macht und ihr Halt gebietet)
Mordechai Vanunu ohne Bedingungen, spätestens wenn seine Haftzeit am
21. April zuende geht.  Vanunu stehen dann alle Rechte und
Freiheiten, die normalen israelischen Bürgern zuerkannt werden, auch
zu, inklusive das Recht auf einen Pass und Auslandsreisen.  Es ist
ein grundliegendes Menschenrecht, sein Land zu verlassen und zu ihm
zurück zu kehren.  Vanunu wurde 1986 gekidnapped, festgenommen und
vor Gericht gestellt.  Fast 12 seiner 18 Jahren im Gefängnis hat er
in Einzelhaft verbracht.  Angesichts der Unruhen im Land und die
Präsenz von Extremisten, sollte Israel seine Verantwortung für die
Sicherheit Vanunus erweisen, indem es sein Recht respektiert,
woanders in der Welt zu leben.

Das IPB glaubt, dass Vanunu einen mutigen Dienst an der
Öffentlichkeit vollbrachte, indem er der Welt den Beweis lieferte,
die jeden Zweifel tilgte, dass Israel einen nuklearen Waffenarsenal
besaß.  Das IPB unterestützt die langehegte Position der
Generalversammlung der UNO zugunstenen einer atomfreien Zone im Nahen
Osten.

Das IPB hat Vanunu 1994 seinen jährlichen Sean MacBride Friedenspries
zuerkannt, und er wurde 2000 zur Vizepräsidentschaft des Bureau
gewählt und 2003 wiedergewählt.

Das IPB bittet um Briefe and die israelischen Botschafter des
jewiligen Landes sowie an die Regierung Israels. Außerdem bittet das
Büro um Unterstützung eines Fonds, der Vanunu helfen will, ein neues
Leben aufzubauen.   Informationen dazu über
www.peaceispossible.info/thankyouvanunu.php.  Ich füge hier den Brief
auf Englisch bei, der in dieser Form an die israelische Regierung
gerichtet werden kann.

Dear Prime Minister Ariel Sharon,

The prison term of Mordechai Vanunu ends on April 21. Vanunu is then
entitled to all the rights and freedoms accorded to normal Israeli
citizens, including the right to a passport and to travel abroad.  It
is a fundamental human right to leave and return to one's own
country. Given the unrest in the country, and the presence of
extremists,  I request that Israel show its responsibility for
Vanunu's safety by respecting his right to live elsewhere in the
world.

Sincerly yours,
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Von ISM

Land Day in Beitunia, Ramallah

Seit zehn Tagen arbeiten die Bulldozer in Beitunia, eine Stadt mit 20
000 einwohner vier Kilometer von ramallah.  Der Weg der
Apartheidmauer wird 17 000 dunum Land beschlagnahmen [Korrektur: ein
dunum ist nicht 1/4 Ha sondern 1/4 acre, also 1/10 Ha] - 2000 für die
Mauer und 15 000, die auf der israelischen Seite liegen werden.
Dieses gestohlene Land besteht aus Olivenhaine, Weizenfelder und
Weinstöcken.  Der Stadt wird nur das bebaute Gebiet bleiben.  In der
Vergangneheit hat Beitunia bereits 1000 Dunum an einen Militärposten
verloren, 2000 an die Siedlung Givat Zeev und 3000 an
Umgehungsstraßen, auf denen die Palästinenser nicht fahren dürfen.

Beitunia hat heute eine Demonstration beschlossen um gegen den
Diebstahl des Landes zu protestieren und die Errichtung der Mauer zu
stoppen.  etwa 150 Palästinenser und 20 israeli und internationale
Aktivisten gingen durch die Stadt zum Baugebiet.  Die Bulldozer
arbeiteten nicht, Soldaten schützten aber die Geräte.  Die Protestler
gingen einen Berg hoch auf die Soldaten zu.  Nach einigen
Gummigeschossen und Steinewerfen erreichten die Protestler die
Soldaten.  Zu dieser Zeit kamen mehr Jeeps an und brachten die Zahl
der Soldaten auf etwa 25.  Ein friedliches Sit-in wurde veranstaltet;
die Demonstrierer sangen Lieder und schwenkten palästinensische
Fahnen.  Nach 30 Minuten beschlossen die Organisatore, zurück zum Ort
zu laufen.  Ein Jeep folgte ihnen.  Eine israeli Aktivisten stellten
sich davor, aber der Jeep fuhr weiter und hat sie beinahe umgefahren.
  Ein Israeli blieb auf der Haube liegen, als der Jeep weiterfuhr.
Als er abstieg, versuchten einige Demonstranten mit den Soldaten zu
reden.  Das führte aber zu einer Konfrontation zwischen Demonstranten
und Soldaten, die mit Schallbomben und gummiummantelten Stahlkugeln
antworteten, um die Menge zu zertreuen.  Als die Demonstranten
zurückwichen, folgten ihnen etwa ein Dutzen Soldaten, die ihre Waffen
abfeuerten....

Sechs Leute wurden von den gummiummantelten Kugeln verletzt, darunter
ein internationaler Mediziner, Freiwilliger bei der Union of
Palestinian Medical Relief Committee, und einige mussten wegen
Einatmen von Tränengas behandelt werden.

Zu keiner Zeit während der Demo war die Sicherheit der Soldaten oder
die militärische Ausrüstung gefährdet.  Die Menschen von Beitunia
haben nur protestiert um ihr Recht auf das Land, das ihnen gehört und
das sie bearbeiten.  Der Besitzer eines Kleidungsgeschäft hat gesagt,
"Es war eine gute Demo, und Beitunia wird in seinem Kampf gegen die
Mauer weitermachen."

Fotos der Aktion gibt es unter:
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#13 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Mit 31. Mrz 2004 9:35
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
ankaliese
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Liebe Leute,

Hier sind zwei Berichte über  Aspekte des Konflikts, die seltener ins
Auge kommen: 1) eine Petition gegen das Sprühen von Gift auf
palästinensische Felder, das sich allerdings seltsamerweise nur gegen
die möglichen Gesündheitsschäden, nicht aber gegen die Zerstörung der
Feldfrüchte an sich richtet.  2) eine interessante Initiative, um die
Situation der Palästinenser - die nach wie vor weitgehend unbekannt
ist in Israel, wo die Israelis in ihrer eigenen Welt leben und ihnen
das, was jenseits der Grünen Linie liegt,  völlig unbekannt ist.  Ich
muss dabei an die vielen denken, die - sicherlich ehrlich - in
Deutschland nach dem Krieg gesagt haben, "Wir hatten doch keine
Ahnung!"

(Falls ich mit diesem Vergleich ein Tabu gebrochen habe, kann ich nur
hinzufügen, dass engagierte Israelis damit weniger Probleme haben.
Ich lese gerade die Autobiographie von der israelischen
Rechtsanwältin Felicia Langer, die sich seit der Besetzung 1967 für
Palästinenser gerichtlich einsetzt und die sich vor solchen
Vergleichen nicht scheut, und es stehen mir angesichts der
Grausamkeit vor allem des Shin Beit (israelischer
Inlandsgeheimdienst), und noch viel mehr der Rechtsbeugung durch die
Gerichte, die Haare schlicht zu Berge. Dennoch muss mit Vergleichen
stets sehr vorsichtig umgegangen werden.  Der Holocaust an sich ist
unvergleichbar.)
----------------------------------------
Physicians for Human Rights-Israel
22. März 2004

Petition an das israelische Oberste Gericht gegen das Besprühen von
Feldfrüchten aus der Luft

Vier Bewohner der 'nicht anerkannten Dörfer' und neun NGOs fordern
die israelische Regierung auf, das Besprühen von bedouinischen
Feldern im Negev zu stoppen.

Seit 2002 besprüht die Israeli Land Authority die Felder der
Bedouinen-Araber in Israel.  An sieben verschiedenen Tagen in den
letzten Jahren sind mindestens 30 000 dunams (ca. 7500 ha) Weizen,
Gerste und verschieden Gemüse in 12 Dörfern besprüht worden.  Die
Früchte sind Teil der Nahrung der Dörfler und ihrem Vieh in den
'nicht anerkannten Dörfern".

Ein Gutachten von Dr Elihu Richter wurde der Petition angehängt.  Dr
Richter ist Epidemologe und Leiter der Einheit für Arbeits- und
Umweltmedizin an der Hebrew University und Mitglied von Physicians
for Human Rights-Israel.  In dem Gutachten sagt Dr Richter aus, dass
die Fachliteratur zeigt, dass Roundup und die Chemikalien, die das
Herbizid bilden, ein potentielles gesundheitliches Risiko für die
Einwohner und ihr Vieh darstellen und Fruchtbarkeitsprobleme,
Geburtsschäden verursachen; es gibt auch hinweise, dass die Substanz
karzinogen ist.

Das israelische Gesundheitsministerium behauptet, dass Roundup nicht
giftig ist für Menschen wenn es gemäß der vom Hersteller gegebenen
Anweisungen gebraucht wird. In der Anleitung des Herstellers steht:
NICHT FÜR BESPRÜHUNG AUS DER LUFT VERWENDEN. Der Grund für diese
Anweisung ist die Gefahr, dass das Gift zu naheliegenden Wohngegenden
getragen werden kann.  Weiter steht darin: nicht inhalieren, während
des Sprühens Schutzkleidung tragen, die den ganzen Körper bedecken,
Vieh seiben Tage nach der Ausbringung aus dem Gebiet heraushalten.

Das Sprühen wurde ohne Warnung vorgenommen.  Ein Teil der Besprühung
fand in der Nähe von Wohnungen statt, in zwei Fällen waren Menschen
in der Nähe der Felder und wurden direkt angesprüht.  Die Bewohner
der Dörfer erhielten keine Information über die gesprühte Substanz
und kein Hinweis darauf, wie mit Vieh umzugehen war.  Die Menschen
leben von ihrem Vieh und Schäden an den Tieren könnten indirekt auf
Menschen übertragen werden.

Die Schlussausage des Gutachtens ist: "Was hier geschehen ist ist ein
Beispiel eine unbeabsichtigte und unethische Praxis, Menschen [dem
Gift] auszusetzen...  Die Aussetzung geschah ohne Benachrichtigung
oder Einwilligung der Subjekte, welche, auch wenn sie gegeben worden
wäre, unethisch ist.

[Anmerkung: die israelische Regierung versucht seit Jahren mit allen
möglichen Mitteln - vor allem Umsiedlung - die Bedouinen aus ihren
angestammten Gebieten zu vertreiben.  Das Zerstören ihrer
Landwirtschaft ist eine weitere, heimtückische Waffe in ihrem
Arsenal. Ob die 'unethische' Anwendung wohl wirklich 'unbeabsichtigt'
war? - die Worte der Anleitung sind ja kaum zu übersehen.]

-------------------------------------
Einen zweiten, sehr ausführlichen Bericht kann ich hier nur
zusammenfassen:

Die Organisation International Women's Peace Service hat zusammen mit
mehreren anderen NGOs, auf Anregung einer Amerikanerin eine neue
Aktion ins Leben gerufen: ein Gruppe von Israelis erhält in einem
fünftägigen Intensivphase und zwei Wochenenden Einblick in die
Situation in den besetzten Gebieten.  Obwohl sie nur eine halbe
Stunde gefahren waren, um sich das erste Mal zu treffen - in dem mit
Matratzen ausgelegten Raum, eine nackte Birne an der Decke und einem
kleinen Elektroofen merkten sie gleich, dass sie in einem fremden
Land waren - ein Land, in dem einige ihrer Söhne Dienst mit der Waffe
getan hatten.

Der Name der Initiative, "Mikarov" bedeutet im Hebräischen sowohl "in
der Nähe" wie auch "verwandt".  Die Israelis leben in der Nähe der
besetzten Gebieten, und doch ist die Situation weit entfernt von der
eigenen.  [Dorothy Naor - wie ich ursprünglich Amerikanerin - hat
einmal die Fahrt von dem Palästinensergebiet in eines der Siedlungen
als einen Wechsel von der dritten Welt nach Südkalifornien
beschrieben. AS]

Ausländern, die nach Palästina reisen, wird immer wieder gesagt, "Das
wichtigste, das ihr tun könnt ist, zu berichten, was hier passiert."
Israelis, die helfen, Oliven zu ernten oder ein zerstörtes Haus
wieder aufzubauen erzählen oft nicht einmal ihren Freunden und
Familien, was sie getan haben.  Viel meinen, es gibt dafür keinen
Raum, sie können als Verräter gesehen werden, oder man wird ihn
einfach sagen, sie wollen wohl Streit.  Mikarov will diese
Distanzierung durchbrechen.

Während des Seminars sahen sie Wohnungen, die demoliert worden waren,
weil die Besitzer keine Baugenehmigung erhalaten konnten, trafen
Flüchtlingsfrauen und besuchten die acht Meter hohe Mauer in Abu Dis
(Vorort von Jerusalem), die Familienmitglieder voneinander und
Schüler von ihren Schulen trennt.  Als Grenzpolizisten plötzlich
Tränengas über die Mauer warfen, haben einige Mitglieder der Gruppe
sofort Freund angerufen, um ihn zu sagen, "Ihr werden nicht glauben,
was hier vor sich geht."

Bis zum folgenden Wochenende erhielten die TeilnehmerInnen die
Aufgabe, einer Person, mit der sie bisher nicht darüber gesprochen
hatten, von dem ersten Wochenende zu erzählen.  Manche sagten, das
sei beängstigender als das Tränengas.

In den nächsten Tagen besuchten sie Dörfer, trafen Familien, NGO
Vertreter und Aktivisten und dokumentierten die Auswirkungen der
Besatzung auf die Bevölkerung.   Sie hörten Geschichten darüber, wie
die Mauer das Leben der Menschen zerreißt und sprachen mit einer
Frau, die nur eine Woche zuvor Zwillinge totgeboren hatte, nachdem
sie nicht durch das Checkpoint gelassen wurde.

Am letzten Wochenende wurde überlegt, was man konkretes in Israel tun
würden, um die Bewegung gegen die Besatzung zu erweitern und
vertiefen.  Ein Kunstlehrer hat seine Studenten inspiriert,
Bierdeckel mit Szenen aus der Besatzung zu verzieren und sie in Bars
auszulegen.  Das hat viel Diskussion entfacht, und viel mehr Menschen
erfuhren davon, als eine Zeitung zwei Telefonanrufe erhielt, einer,
der die Aktion lobte, ein anderer, der sie kritisierte.  Diese
Kontroverse interessierte die Journalisten und das Projekt wurde in
Israel bekannt.  Eine Immigrantin aus Amerika will sich mit
amerikanischen Juden treffen, die Israel besuchen.  Sie hat einen
Brief verfasst "An alle Juden, die sich sorgen über das Schicksal des
Staates Israel", indem sie einige ihrer Erfahrungen wiedergibt.

Alle TeilnehmerInnen schrieben in ihren Evaluationen, dass das
Seminar ihr Leben verändert hätte.  Es ist zu hoffen, dass er auch
die israelische Gesellschaft verändern wird.

Fotos und, demnächst, eine deutsch Version des ganzen Berichtes auf
der Webseite http://www.womenspeacepalestine.org/wpsreports.htm.

Copyright (c) 2004 by IWPS.
Fotos und Bericht dürfen von gemeinnützigen Gruppen zirkuliert
werden.

#12 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Die 30. Mrz 2004 10:01
Betreff: Aktuelles aus den Besetzten Gebieten
ankaliese
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Liebe FreundInnen,

[Zunächst zur Adresse:  scheinbar gehen die mails an yahoogroups.de,
nicht .com, obwohl letzteres auch zu funktionieren scheint.  Aber
vielleicht ist .de sicherer, wenn jemand Probleme hat.]

Heute als erstes eine Korrektur zu dem Bericht über den Tod von dem
6jährigen Khaled.  Fernsehbilder beweisen, dass der Schuss nicht von
dem Jeep kam und es scheint völlig unklar zu sein, wo er herkam.
Allerdings hatten etliche Soldaten wild in der Gegend herumgeschossen
(eine beliebte 'Einschüchterungstaktik', die ich auch einen ganzen
Abend lang erleben durfte, als ich in Balata war) und es ist kaum
vorzustellen, dass ein palästinenser in ein Fenster im zweiten Stock
geschossen hätte.  Marcus von ISM, der über den Vorfall berichtet
hat, schrieb eine lange Auseinandersetzung mit /Korrektur des
Reutersberichts, der voller anderer Fehler war und vor allem nichts
über die Bemühungen der Soldaten, zunächst den Mann daran zu hindern,
den Krankenwagen zu erreichen (der wohl zufällig oder zur allgemeinen
Bereitschaft schon dort gestanden hat) und dann den Krankenwagen 15
Minuten lang am Wegfahren zu hindern.  Nachmittags war die Beerdigung
des Kindes die dritte, die Marcus während der letzten Woche in Balata
- mit 18 000 Einwohner - erlebt hat.

Dorothy Naor schreibt heute zum Tod von Khaled:

Nur ein weiterer  6jähriger Palästinenser!  Und natürlich das Saga
vom Balata Flüchtlingslager - die Schrecken des täglichen Lebens in
dieser und anderer Städte und Dörfer - die Mardas, die Jenins, die
endlose Liste der Namen.  Und stellt euch vor, wir Juden 'feiern'
nächste Woche Passah, der Feiertag, der die Freiheit der Juden aus
Sklaverei und Unterdrückung.  Ich nicht!  Ich werde wohl mit den
anderen am Tisch sitzen, aber still an die Unterdrückung denken, die
wir einem anderen Volk auferlegen, auf alle seine Khaleds, und auf
die israelischen Kinder die auch getöt werden durch die Grausamkeit
dieser Regierung einem anderen Volk gegenüber und seine Weigerung, es
los zu lassen.  "Let the Palestinians go" sollte in jedem jüdischen
Haus bei diesem Seder gesungen werden.  Sie müssten "my people" sein,
die, die wir Juden zur Freiheit helfen müssen.  Dieses Töten muss
aufhören.

Und zu denjenigen von euch, die sagen, es muss auf beiden Seiten
aufhören, ich stimme zu, aber der Unterdrücker muss zuerst aufhören.
Die Unterdrückten schlagen zurück, um sich vom Joch des Unterdrückers
zu befreien - um sich von den Panzern, den F16, Hummer (gepanzerte
Mannschaftswagen), Bulldozer, Kugeln, Racketen und anderen Werkzeugen
des Mordes und der Zerstörung.  Ich bin zornig und frustriert durch
die endlose Tötung, und mich schmerzen die Kinder, die Eltern -
Eltern, die ihre Kinder nicht retten konnten.

Bitte.  Helft, das Töten all der Khaleds zu verhindern.
----------------------------------
In einer zweiten Mail bittet Dorothy, eine Petition zu unterschreiben
an die irische REgierung, die Präsidentschaft der EU zu nutzen, um
Druck auf Israel gegen die Mauer auszuüben.  Außerdem soll Irland
sich dafür einsetzen, dass die EU endlich aufhören, zu dulden, dass
Israel sich weigert, Produkte aus den illegalen, sich nicht auf
israelischen Staatsgebiet befindlichen Siedlungen als "Made in
Israel" auszuweisen, und dafür zollfreiheit nach dem EU-Abkommen mit
den Mittelmeerstaaten zu beanspruchen.  Diese Praxis der EU wird vor
allem von Deutschland durchgesetzt.  Außenminister Fischer weist
jeden Druck auf Israel (z.B. auch durch eine Stellungnahme vom
Internationalen Gerichtshof zur Mauer) ab als "kontraproduktive
Intervention" in einen sehr heiklen Konflikt, der intern gelöst
werden muss.  Im Klartext heißt das, Fischer will sich selber
möglichst große Handlungsfreiheit erhalten, indem er keine Partei
ergreift.

Die Petition kann unterschrieben werden unter
http://www.petitiononline.com/WBWall01/petition.html

-----------------------------
Schließlich wird gebeten um Unterstützung der Hope Flowers ("Hoffnung
blüht") Schule in Bethlehem, die sich vor allem um Erziehung zum
Frieden bemüht.  Die Cafeteria der Schule soll der Mauer zum Opfer
fallen.  Der Vorwand vor die Demolierung ist, dass das Gebäude keine
Genehmigung hat.  Es ist freilich ganz allgemein bekannt, dass es
meist unmöglich ist für Palästinenser, Baugenehmigungen zu erhalten,
da sie von den Behörden nur schikaniert werden, vor allem durch
exorbitante Kosten.  Dennoch wird die Genehmigung beantragt.

Bitte schickt Faxe oder Emails an (es genügt der Text: "Please do all
you can to prevent the destruction of any part of the  Hope Flowers
School in Bethlehem, which is threatened with demolition of at least
its cafeteria.  Hope Flowers is the only school in the West Bank and
Gaza focussing on peace and democracy education.) an:

a)  Commander Israeli Civil Administration (Sub Committee for
Supervision
of Building Activity in Beth El)
       fax 00972 2 997 7326

b) Mr. Ariel Sharon, Israeli Prime Minister:
     e-mail: webmaster@...
     fax  00972 2 566 4838 or (Israel) 2 267 5475

c) Die israelische Botschaft in Berlin
      Fax 030 3904 5102.

d) Mr. Colin L. Powell, U.S Secretary of State:
     FAx:  e mail: (müsste eigentlich klappen unter
secretary@....  Sonst kann man nach
     http://contact-us.state.gov/ask_form_cat/ask_form_reference.html
     und die Botschaft eintippen.

Besten Dank!
Das wars für heute.

#11 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Mo 29. Mrz 2004 12:21
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
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#10 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Mo 29. Mrz 2004 12:21
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
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Liebe FreunIinnen,

[Ich schicke den Brief heute noch einmal an alle, die sich vor
Einrichtung der Yahooliste bei mir gemeldet habe, da noch nicht alle
dort gemeldet sind.  Wer den Brief weiter erhalten will MUSS sich mit
einer leeren Email an: Brief-aus-Israel-subscribe@yahoogroups.com
anmelden!  Bitte auch weiterhin diese Info an alle Interessierten
weitergeben.]

Es liegen heute viele Berichte und Artikel vor, die sich in den
letzten Tagen angesammelt haben.  Da ich nur das wenigste davon
übersetzen kann, versuche ich die meisten Meldungen kurz
zusammenzufassen.  Es folgen also
1. Ein Bericht über den Aufruf von 60 prominenten Palästinensern,
sich nicht gewaltsam für den Tod von Scheich Yassin zu rächen,
sondern die Gewalt einzudämmen.
2. Eine Zusammenfassung mehrerer Artikel, die sich mit der IDF und
Kindern befassen.
3. Eine Außerung von Ghassan Andoni von IMEMC (International Middle
East Media Center, www.imemc.org), dass die angekündigte Rache für
den Tod Yassins am 30. März - Land Day, eine Erinnerung an den Tod
von 6 Arabern während einer Demo gegen Landraub 1976 durch israeli
Polizisten - zu erwarten ist.

  Außerdem füge ich zwei Artikel als Anhang bei, die von Ellen Rohlfs
übersetzt wurden, einen von dem israelischen Professer Lew Grinberg,
der andere von Uri Avnery.  Solche Stimmen aus Israel müssten viel
weiter verbreitet werden hierzulande, um den immer noch weit
verbreiteten Antisemitismusvorwürfen bei jeder Israelkritik zu
begegnen.

Ellen Rohlfs - seit vielen Jahren aktive Israelfreundin und
Unterstützerin der Palästinenser - habe ich bei einer Tagung "Den
Mauerbau im 'Heiligen Land' beenden" am Wochenende kennengelernt. Bei
der Tagung hat mich unter den vielen ausgezeichneten ReferentInnen
eine Bemerkung Salpy Eskidjians, die beim Weltkirchenrat das
"Ecumenical Accompaniment Program" koordiniert, das Freiwillige als
Beobachter nach Palästina schickt (siehe www.eappi.org) besonders
beeindruckt.  In einer Arbeitsgruppe meinte sie, es sei - angesichts
der Tatsache, dass der Anteil Deutschlands an der Verantwortung für
die Existenz Israels auch eine Mitverantwortung für die tragische
Palästinapolitik miteinschließt - Zeit für ein neues Bekenntnis
seitens der deutschen Kirchen.   Wir haben nicht nur zu wenig
geglaubt und zu schwach gebetet, sondern - durch eigene Schuldgefühle
gelähmt - viel zu lange tatenlos dem Märtyrium des palästinensischen
Volkes zugesehen.
----------------------------------------
1. Dorothy Naor von New Profile schreibt:
Heute haben mehr als 60 Palästinenser die Militanten gebeten, sich
von Vergeltungsakte für den Mord an Scheich Ahmed Yassin zu
enthalten.  Ich weiß nicht, ob ihre Stimmen gehört werden.  Ich
fürchte nicht.  Aber sollten sie (die+60) eine dominante Stimme
werden, würde Europa vielleicht irgendwann anfangen, wirtschaftlichen
und anderen Druck auf Israel, die Besatzung zu beenden, auszuüben.
Leider können keine Appelle der Israelis an Sharon und sein Clique,
IOF Gewalt und die Siedlungsexpansion zu stoppen, helfen, die Gewalt
zu beenden, weil diese Männer Land dem Frieden vorziehen, d.h. Land
dem Leben ihrer Landsmänner und -frauen vorzuziehen.

-----------
Ha'arez, Donnerstag, 25. März 2004
Palästinensische Beamte rufen Militante zum Niederlegen ihrer Waffen
auf.

Mehr als 60 prominente palästinensische Beamte und Intellektuelle
haben die Öffentlichkeit dazu gedrängt, sich von der Vergeltung für
den israelischen Mord von Scheich Ahmed Yassin zu üben, da dies eine
neue Runde des Blutvergießens zünden würde, die dem palästinensischen
Streben nach Freiheit nur schaden kann.

Eine halbseitige Anzeigt in der PLO-Zeitung Al-Ayyam hat die
Palästinenser aufgerufen, ihre Waffen hinzulegen und sich friedlichen
Methoden des Protests zuzuwenden, um die israelische Besetzung der
Westbank und des Gazastreifens zu beenden.

Die Anzeige spiegelte die offensichtlich wachsende Meinung unter
vielen palästinensischen Führeren, dass der militärische Kampf der
palästinensischen Sache nicht hilft.
.....
Die Intellektuelle, die die Anzeige unterschrieben haben - darunter
das Parlamentsmitglied Hanan Ashrawi, Nablus Gouverneur Mahmoud
Aloul, Genfer Erklärungs Mitautor und PLO Exekutivkommitteemitglied
Yasser Abed Rabbo sowie Abbas Zaki, eine führendes Mitglied von
Yasser Arafats Fatah Bewegung - sagten solche Racheangriffe würden zu
einer starken Vergeltung seitens Israel führen und weiter der
palästinensischen Sache schaden.

Die Gruppe rief die Öffentlichkeit dazu auf "sich wieder zu erheben
in einer friedlichen, weisen Intifada"...

Eine Erwiderung an Sharon könnte sein moralisches und politisches
Bankrott verdeutlichen, anstatt seine Methoden zu übernehmen und
Rache zu fordern," sagte Ashrawi der Reuters Nachrichtenagentur.
"Widerstand muss nicht gewaltsamer Widerstand bedeuten."

Yassins Mord hat zu einem verstärkten Sicherheitsalarm durch ganz
Israel geführt; Polizei, Grenzpolizei und Soldaten wandern durch die
Straßen und stellen impromptu Blockaden an empfindlichen Stellen auf.
Das Außenministerium hat die Sicherheitsvorkehrungen in den
Botschaften, Konsulaten und Gesandschaften im Ausland verstärkt.


2. Die meisten palästinensischen Organisationen, Widerstandsgruppen
und viele Individuen haben den Einsatz von Kindern bei militärischen
Aktionen verurteilt.  Die Al-Aksabrigade, der Israel vorgeworfen hat,
hinter dem Vorfall mit Husam Abdo zu stehen, hat den Vorfall
verurteilt und jede Verbindung dazu geleugnet.  Issam Abdel-Hadi,
Koordinator des Islamischen und Nationalen Komittees in Nablus, das
alle Widerstandsgruppen und aktive Gemeindeorganisationen der Stadt
vertritt, verurteilt den Einsatz von Kindern als streng verboten.
....
Eine intensive öffentliche Debatte über den Einsatz von Kindern bei
Bombenangriffe hat einen großen Raum in fast allen palästinensischen
Zeitungen eingenommen und das Großteil der Zeit örtlicher Fernseh-
und Radiosender gefüllt.

Viele Palästinenser glauben, der Abdo Vorfall sei fabriziert worden.
Ein weitverbreiteter Bericht in der Stadt Nablus, wo Abdo wohnt,
weist auf örtliche Kollaborateure Israels als diejenigen, die Abdo
den Sprengstoffgürtel übergaben.

Ein Bewohner fragte, warum Kameras bereitstanden, den Vorfall live zu
filmen.  Er fragte auch, warum bei dem früheren Fall eines 10jährigen
Karrenführer die Armee nicht ihrer normalen Prozedur um Umgang mit
angeblichem Sprengstoff befolgte: "Kein Roboter wurde eingesetzt und
der Junge wurde auf Seite genommen, während Soldaten den Karren
untersuchten.

Obwohl Abdo mehr als 16 Jahre alt war, und damit nach der
Militärgesetzgebung in den Gebieten über das Kindheitsalter hinaus,
und nicht 14, wie die Armee behauptetet, betrachten ihn die meisten
Palästinenser, die sich an der Diskussion beteiligte, als Kind, und
verurteilte diejenigen, die ihn rekrutiert haben.
....
Vor einigen Tagen hat eine palästinensische Mutter einem Offizier der
Armee berichtet, dass zwei Soldaten ihren 6jährigen Jungen auf dem
Schulweg angehalten, eine Bombe in seine Tasche gesteckt und ihn und
die Tasche dann fotografiert haben
--------------
Vom Palestine Media Center

Ein israelisches Parlamentsmiglied hat auch ernsthafte Zweifel an der
Geschichte ausgedrückt.
...
Ein Reporter von Al-Jazeera hat einen Sprecher der israelischen Armee
gefrage, warum Fernsehkameras beim Roadblock mehr als 2 Stunden vor
dem Ereignis bereitstanden.  Er hat keine Antwort erhalten.
....
Führer von antiisraelischen Gruppen in Nablus sagte einer
palästinensischen Presseagentur, dass sie niemals ein Kind als
menschliche Bombe an ein Checkpoint belagert von palästinensischen
Zivilisten schicken würden.

Amnesty International hat eine ähnliche Einschätzung ausgesprochen.

3. Zum Thema Armee und Kinder hat Dorothy noch 3 weitere Berichte
geschickt.  Sie schreibt dazu:

Diese Email beginnt mit einem ISM Bericht über die Misshandlung von
Kindern, wendet sich dann Gideon Levys bittere Kritik an die
israelische Reigierung, Presse und Militär zu, für ihre
heutchlerische 'Sorge' um palästinensische Kinder zu Propagandazwecke
und endet mit einem Augenzeugenbericht von der Tötung eines 7jährigen
palästinensischen Jungen.  Letztere widerspricht dem IOF Bericht,
dass das Kind von palästinensischen Schüssen getötet wurde.

Ich bin absolut einverständen mit der Verurteilung durch Gideon Levi.
  Die israelische Polizei und das Militär behandeln palästinensische
Kinder nicht wie Kinder, sondern verdächtigt sie und behandelt sie
als 'Feinde' genau wie Erwachsene.  Bei einer Versammlung der Gruppe
Machsom (Checkpoint) Watch vor kurzem hat eine Rednerin auf eine
diesbezügliche Frage geantwortet, dass ein Soldat, der dabei erwischt
wurde, von einem Palästinenser am Checkpoint Schmiergeld zu erhalten,
mit Gefängnis bestraft wurde.  Dagegen wird die Tötung von Kindern
nicht untersucht und die Soldaten auch nicht dafür bestraft.
----------
Der erste Bericht in diesem Brief kommt von zwei amerikanischen ISM
Mitarbeiter, die mit einer Gruppe junger Palästinenser zwischen 13
und 18 festgenommen wurden, als sie versucht haben, auf dem eigenen
Land auf der 'falschen Seite' der Siedlungsstraße in einem Olivenhain
zu arbeiten.  Die Jugendliche wurden zunächst wegtransportiert, dann
gefesselt mit Plastikhandschellen, die meist so eng sind, dass sie
die Blutzirkulation behindern, und mit verbunden Augen stundenlang in
der Sonne zu sitzen gezwungen.   Die Soldaten gaben keine Begründung
für die Festnahme, sprachen nur davon, dass Jungendliche ein Auto mit
Steinen beworfen und auch schon einen jüdischen Jungen umgebracht
hätten - ohne Nennung von irgendwelchen Details.  Sie widerholten nur
mehrmals, die Jungen "brauchten eine Lektion".  Einer sang "10 kleine
Negerlein" und lachte, ein anderer sagte, sie würden bald bei Scheich
Yassin sagten, ein dritter gab ihnen einen einzigen Becher Wasser für
7 Jungen.  Die zwei ISM wurden nach mehreren Stunden von der
Militärbasis geworfen, die Jugendlichen, nach einer wilden
Telefoniererei mit israelischen Menschenrechtsorganisationen, nach 4
Stunden entlassen, ein 13jähriger noch einige Stunden länger
festgehalten mit seinem Bruder zusammen, der mit der Mutter gekommen
war, um den jüngeren zu suchen.

Der Bericht enthält auch einige Passagen aus der Genfer Konvention
gegen Folter, einige deren Artikel solche Behandlung durchaus mit
einschließen.
----------
Dem oben beschriebenen Artikel von Gideon Levi folgt dann noch ein
schauerlicher Bericht von der ISM aus dem Balata Flüchtlingslager in
Nablus (wo ich voriges Jahr eine Woche verbrachte).  Hier wurde der
7jährige Khaled Maher Walweel, als er im 2. Stock am Fenster stand,
aus einem durchfahrenden Jeep in den Hals geschossen.  Minuten später
kam sein Onkel, das blutende Kind im Arm, auf die Straße, zeigt den
Jungen den Soldaten im Jeep und trug ihn dann in Richtung eines
bereits wartenden Krankenwagen.  Daraufhin haben 2 Jeeps sich so
gestellt, dass der Krankenwagen an der Wegfahrt gehindert wurde.
Sobald er sich bewegte, änderten sie auch ihre Posittion, um ihn zu
blockieren.   Erst als die Leute auf  der Straße sich dazwischen
stellten war es möglich, dass der krankenwagen endlich fahren konnte.
Der Junge starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Auch hier ist nicht mit einer Untersuchung, geschweige denn einer
Verurteilung, zu rechnen.

#9 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Mo 29. Mrz 2004 12:21
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
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#8 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Do 25. Mrz 2004 18:28
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
ankaliese
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Liebe Freundinnen,

In einem arg sarkastischen Artikel aus der Zeitung Yedioth Aharonot , den
ich nicht übersetzen werde, schlägt die Israelin Yael Misheli vor, die vielen,
die die Ermordung Yassins begrüßen und lauthals ihre Bereitschaft, &#8222;den
Preis zu zahlen&#8220; verkünden, einzuladen, gleich in ein Bus zu steigen
und sich in Gaza in die Luft jagen zu lassen als bereitwillige Opfer der
palästinensischen Rache.  In solchen Zeiten ist schwarzer Humor oft die einzige
Möglichkeit, mit der Unmöglichkeit der Dinge irgendwie fertig zu werden.

Während die  israelisch Regierung den Druck auf die palästinensische
Bevölkerung erhöht, sind in Israel cafes, restaurants und Kaufhäuser, die sonst
mit
Einkäufer vor den Passahfeiertagen gefüllt sind, leer stehen und die Menschen
zuhause kauern und sich fragen, wer sind die nächsten Opfer?

Heute ein Bericht über einen der vielen schauderhaften nächtlichen Angriffe
der IDF (wird neuerdings als Kürzel für Israeli Death Force interpretiert).

Schalom,
Angelika Schneider
----------------------------------

Von der ISM aus Jayyous, Qalqilia

Um 2 Uhr morgens fielen 50-60 Soldaten in das Westbank Dorf Jayyous ein,
brachen in 6 Häuser ein, schlugen auf Dörfler mit ihren Waffen ein und nahmen 6
Männer fest.  Sie durchwühlten die Wohnungen von 6 Familien, stahlen alle
Handys und, in einem Fall, Papiere und Fotos.  Ein Familienmitglied einer der
Festgenommenen sagte &#8222;Sie kamen herein und behandelten uns wie Tiere.
Die Soldaten behaupteten, sie suchten Waffen.  KEINE WURDEN GEFUNDEN.

Mindestens 40 Soldaten kamen in die Wohnung der Familie Salim.  Die
Familienmitglieder bekammen die Augen zugebunden und Handschellen angelegt. Die
Wohnung wurdedrei Mal von verschiedenen Gruppen der Soldaten durchsucht.  Als
eines der Familienmitglieder fragte, warum die Soldaten das Haus durchsuchten,
schlug ihn einer der Soldaten mit dem Kolben seines M16 Gewehr und drückte ihn
auf den Bolden.  Nach drei einhalb Stunden wurde der älteste Bruder,Haitham,
festgenommen.  Haitham ist ein 34-jähriger Ladenbesitzer, der an keiner
politischen Aktivität beteiligt ist.  Er hat einen Herzfehler und ist auf
Medikamente angewiesen.

Die Soldaten durchwühlten dann das Haus neben der Salimfamilie und zwangen
all Frauen und Kinder um 2.30 nachts auf die Straße.

Mehr als ein Dutzend Soldaten gingen dann zur Wohnung von Wajdi Musleh.
Nachdem sie einbrachen und durch das Haus rannten, zwangen sie alle Frauen und
Kinder in einen Raum, während sie einen 70-Jährigen beiseite nahmen, ihm die
Augen verbanden und Handschellen anlegten.  Sie zwangen ihn, auf dem Boden zu
knien und schlugen ihn.  Währenddessen wurde das Bett der Eltern zerstört.
Dann zwangen die Soldaten den  21-jährigen Wajdi in den Hof und nahmen ihn
fest.

Die Soldaten benutzten eine Bombe, um die Haustür von Adam und Ziad Harami
aufzumachen.  Nachdem sie das Haus durchwühlt, einer der Türen aufgebrochen
und sie unbrauchbar hinterlassen hatten, sagten sie der ganzen Familie,
&#8222;Wenn ihr euch nicht alle Telephone gebt, werden wir das ganze Haus
beschädigen.&#8220; Sie nahmen Adam Harami, ein 20jähiger Student an der Al
Najah
Universität in Nablus und Ziad Harami, ein 25jähriger Frisör aus Jayyous fest.

Als nächstes dürchkämmten die Soldaten die Wohnungen von Shadi Towfiq
Mahmoud Saleem und Abel Rahim, wobei sie viele Gegenstände beschädigten.  Sie
nahmen Shadi, ein 21jähriger Computerstudent an er Arabisch-Amerikanischen
Universität in Jenin fest.

Die Soldaten beschädigten die Haustür, als sie das Haus von Ahmed Khaled
einbrachen.  Sie &#8222;durchsuchten&#8220; das Haus und stahlen Bilder der
Familie.  Sie nahmen Ahmed, ein 21-jähriger Student der Volkswirtschaft an der
Universität in Nablus fest.

ISM bittet um Protesttelefonate gegen die Verhaftung dieser 6 Männer an die
israelischen und palästinensischen District Coordinating Offices , Tel Nr
00972-9-775 9217 und 00972-9-294 2755.




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#7 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Mit 24. Mrz 2004 11:17
Betreff: Aktuelles aus den besetzten Gebieten
ankaliese
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Liebe Freundinnen,

Heute muss ich für gestern mit berichten.  Der erste Artikel, den Dorothy
Naor weiterleitet, gewinnt noch an Bedeutsamkeit durch den Mord an Scheich
Yasin.  Sie schrieb am Montag:

Leider sind nicht alle Israelis beunruhigt durch die Aussicht auf endlosen
Terror und ein ewiges Mit-dem-Schwert-leben-müssen.  Leute wie Sharon u.a.,
die gierig sind auf eine größeres Israel - Land, Land, immer mehr Land - sind
vielleicht nicht die Mehrheit, sie sind es aber, die gegenwärtig die Macht
haben und sie führen uns alle in eine nie-endende Gewalt.  Eine schöne Aussicht.

Dorothy
-------------------------------------
Ha'aretz, Montag, 22. März2004
von Akiva Eldar

Während gestern der Rückzugsplan im Büro des Premiers diskutiert wurde, hat
die Khouryfamilie in Beit Hanina ihren Sohn George, 20, ein israelischer
Student der in Jerusalem von der Al-Aksa-Brigade ermordet wurde, beerdigt.

Fast zugliech haben die eltern von Fatma A-Jaled aus Khan Yunis ihre
8-jährige Tochter beertigt, tödlich verletzt durch "Warnschüsse" von IDF
Soldaten.
Das ist das Wesen der Routine des Todes, das Israel und die Gebiete im Griff
hat: die Führer quatschen, die KÄmpfer töten und Kinder sterben.

Das Land füllt sich langsam mit immer mehr Opfern; wenn die Führer endlich
ein Ende machen und ihre Waffen niederlegen, werden wir entdecken, dass das
Land erfüllt ist von Haß, Angst und Gewalt.

[Es folgen einige Statistiken über Tote, Verletzte und Traumatisierte auf
beiden Seiten]

Der Rote Halbmond berichtet, dass sie bei 70% der Hilferufe nicht in der
Lage sind, das Haus des Kranken zu erreichen.  Nach einer Untersuchung des
Palästinensischen Büro für Statistik hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung
Schwierigkeiten, ihren Arbeitsplatz und ihre Felder zu erreichen. Die Sperrungen
und Blockaden zwingen inzwischen 60% der Bevölkerung unter die Armutsgrenze.

Studien unter 14-18-jährigen Palästinenser zeigen, dass Wut und Angst
stärker sind unter der dritten Generation, da sie unter dem Leiden, die
Erniedrigung und die Depression der anderen leiden und die post-traumatischen
Stressreaktionen sich mehr und mehr auf die gesamte Familie beziehen. Sie zeigen
auch,
dass diese Gruppe von den Älteren die Orientierung an nationalistischen und
religlösen Symbolen wie die Al-Aksamoschee und das Recht auf Rückkehr
übernommen haben.

Der Armeeführung ist mitzuteileen, dass diese Studie zeigt, dass die
Aussichtslosigkeit des gewaltsamen Kampfes sich nicht in das Bewusstsein der
jungen
Palästinensern eingebrannt hat.  Im Gegenteil, sie weisen ein wachsendes
moralisches und religiöses Engagement auf.  Diese Jugendlichen sind auch auf die
palästinensische Führung wütend, und erfüllt von dem Wunsch, ihre Familien zu
schützen und im Namen ihrer Eltern Rache zu üben....

Diese jungen Leute sind die "Infrastruktur des Terrors" von morgen.  Sie
sind gefährlicher als alle Tunnel für den Waffenschmuggel in Rafah und die
Bombenlabore in Khan Yunis.  Sie sind der tägliche Sieg des Terrors und der
Besatzung.

-------------------------------------------
Ghassan Andoni von der ISM-Trägerorganisation Rapprochement schrieb gestern:

1.Durch die Ermordung von Scheich Ahmed Yassin, Gründer und spiritueller
Führer der Hamas, wird erwartet, dass die Bewegung nun stärker durch Radikale,
Hardliner und Militante dominiert wird als bisher.  Yassin war für Hamas das,
was Präsident Yasser Arafat für die PLO (Fatah) war: der Führer, das Symbol
und wichtiger noch, die Figur um den herum sich die Bewegung einte. Während
die prominenten offiziellen Positionen innerhalb der Hamas zumeist von "Führern
von Außen" besetzt waren, hat das Gewicht und der Einfluss von Yassin das
Entscheidungszentrum der Hamas in die besetzten Gebiete geholt.
Yassin ist es an der Seite der moderaten Hamasführer gelungen, einen
Waffenstillstand mit der Palästinensischen Autorität zu vereinbaren, gegen den
Willen von Khaled Mashal, Führer des politischen Büros der Hamas, und seinen
starken Verbündeten in Gaza, Dr Abdul-Aziz Al-Rantisi.
Die Ermordung des moderaten Hamas führers Ismael Abu-Shanab vor drei Monaten
hat das moderate und pragmatische Lager innerhalb von Hamas einen starken
Schlag versetzt...  Dieses sah großen Wert darin, sich enger mit der PA zu
koordinieren und haben sich für einen Waffenstillstand eingesetzt, um den
KOnflikt abzukühlen, zumindest vorübergehend.  Das "moderate Lager " in Hamas
interessierte sich mehr für das Interesse der Palästinenser als für die
Bedürfnisse
der globalen islamischen Revolution.
Mit der ERmordung Yassin hat der moderate Flügel sein Schutzschild verloren
und es wurde die Tür geöffnet für mehr Kontrolle durch die Führung von
Außerhalb und die Hardliner im Inneren.
War das die politische Absicht derer, die den Mord an dem Scheich im
Rollstuhl geplant und gebilligt haben?
War es das Ziel, in den internen Kampf innerhalb der islamischen Bewegung
einzugreifen, in der Hoffnung, die Hamas würde radikaler und globaler werden?

2. Aus dem Bericht eines amerikanischen Augenzeugen einer friedlichen Demo:
Halle, FReunde und Familie, entschuldigt wenn dies etwas chaotisch ist, ich
musste es einfach aufschreiben bevor ich es vergesse.  Heute war ein
verrücktes Abenteuer, das zeigt wie absolute wahnsinnig die Soldaten hier sind,
und
wie absolut notwendig es ist, das Leute sich einsetzten für ein Ende dieser
Mauer, und noch mehr, dieser Besatzung.

Es ist erstaunlich, wie ein einziger Tag, eigentlich nur 5 STunden, einen
weiter bringen können.  Heute fühlte ich mich zum ersten mal wirklich in Gefahr
und beschloss sogar, ich würde mich lieber von hinten als ins Gesicht
schießen lassen. Aber das kommt später.

Heute morgen standen wir früh auf, um zum Dorf Kharbatta zu fahren.  Dort
bin ich noch nicht gewesen, aber es war hier ruhig, und man hat dort um Hilfe
gebeten.

Wir kamen an nach einer 45-minutigen Fahrt über die holperigsten WEge, die
ich je erlebt habe - ich war froh, dass ich nicht viel gefrühstückt hatte,
sonst wäre ich wohl seekrankgeworden.  Viele Frauen und Kinder gingen an uns
vorbei, von der Demo weg, was gewöhnlich ein schlechtes Zeichen ist, das von dem
Geräusch von geschossenen Gasbehältern und sein durchdringender Geruch,
sowie die roten Backen und Tränen einiger, die zuviel davon eingeatmet hatten,
bestätigt wurde.

Als wir durch den Olivenhain an die Baustelle gelangten, saßen etwa 100
Dorfbewohner auf umgewalzten Agrarland, vor einem Bulldozer in etwa 50m
Entfernung.  Ich mache natürlich Rechts- und Medienarbeit und blieb hinten. 
Oben auf
dem Berg warfen Jungen nutzlos mit Steinen, überhaupt nicht in der Nähe der
Soldaten, die Gas und Gummigeschosse abfeuerten.  Eine größere Gruppe der
Gemeinde stand hinten, außer Reichweite der Geschosse.

Während der nächsten Stunde, haben die Soldaten dreimal beschlossen, die
Menge mit Schlagstöcken anzugreifen.  Alle drei Mal, als sich sich den Sitzenden
näherten, kamen alle Palästinenser und Internationale von hinten, um sie zu
verstärken.  Die Soldaten schlugen ein paar Leute, es gab ein Geschiebe, und
dann standen sich die zwei Seiten wieder gegenüber.  Nach 5-10 Minuten
rannten dann die Soldaten zurück zu ihren Jeeps und fingen wieder an, gegen die
Stehenden Gummigeschosse zu feuern.  Nach dem ersten mal nutzten wir den
Augenblick, um auch zurück zu laufen und Schutz zu suchen bevor sie wieder
anfingen
zu schießen.  Während wir rannten blieb eine Gruppe von etwa 150 Leuten
sitzen oder liegen.

Während der ersten dieser drei Abfolgen wurde auf mich geschossen, so
versuchte ich, am Boden weg zu kriechen, als ein Gummigeschoss von hinten mein
Bein
traf.  Glücklicherweise trug ich eine weite Hose, ich glaube ich habe nicht
mal einen blauen Fleck, und dann duckte ich mich hinter Felsen.  Als ich mich
dort versteckt hielt, kamen etwa 8 Israelis mit eine Flüstertüte.  Sie
gingen nach vorne, während alle anderen auf dem Boden lagen und hofften, nicht
getroffen zu werden.  Der Kommandant hob immer wieder die Hand, und dann wurde
geschossen, es gab Verletzte, und Sanitäter rannten herum.  Manchmal schossen
sie erst Gas, und die Menschen versuchten, weiter weg  zu kommen und es wurde
währenddessen auf sie geschossen.  Das ganze war ziemlich beängstigend.

Kurz nachdem die Israelis erschienen wurden einer mit einem blutigen Verband
um den Kopf an mir vorbeigetragen.  Ich stand bei einigen seiner Freunde,
und als sie sahen wer es war, rannten sie ihrem Freund nach.  Ich erfuhr
später, dass es zwischen den Augen getroffen worden war, ist also in kritischem
Zustand.  Ein Augenspezialist wird noch feststellen ob er eines seiner Augen,
oder eventuell sein Gesicht verlieren wird...

Insgesamt gab es 37 VErletzt, 30 davon in Kopf oder Oberkörpergetroffen,
auch eine ältere Palästinensierin.  Aber bei all diesen Verletzungen wird es der
Israeli sein, dessen Versetzungen die große Nachricht sein wird,.. aber für
mich sind die verletzten Palästinenser genauso wichtig...

Und dann fing es plötzlich an, erst mit Knallgranaten, die meisten direkt
auf ein Gruppe junger Frauen, die zusammensaßen und sangen.  Sie fingen an zu
laufen, viele stolperten und es gab mehr Granaten und Tränengas... Ich drehte
mich um und rannte durch den Olivenhain, während die Gummigeschosse zu
fliegen begannen und ich mich mitten unter den Steinwerfern befand, die nun
anfingen, auf die gewalttätigen Soldaten zu werfen.  Ich wollte einen
sichererern
Ort erreichen, aber die Kugeln kamen von überall durch die Olivenzweige.  Ich
erreichte einen scheinbar geschützteren Ort, und dann sah ich eine Kugel genau
auf mich zukommen.  Instinktiv versuchte ich, mich aus dem WEg zu drehen, so
traf es mich in den HIntern und schoss mein Handy aus der Gesäßtasche weg -
bin ich froh. dass er nichthöher geschossen hat.

Die Armee hat uns weiter durch die Bäume gejagt, überall flogen Kugeln aus
plastikummantelten Stahl.  Ich sorgte mich um meine FreundInnen aber sie kamen
alle schließlich heil raus, außer einer, die kurzfristig festgenommen wurde.

Ich wünschte, ich könnte irgendeinen humorvollen Aspekt dieses Tages finden,
kann ich aber nicht. es war einfach schrecklich.  Ich denke am meisten an
die vielen Kugeln, die oberhalb der Taille trafen, wo man hinzielt wenn man
verletzen will, und die Idee dass jemand schießt um gewaltfreie Menschen, die
zusammenkommen um ihr Land zu schützen zu verletzen scheint mir unergründlich,
es ist fast als ob die Soldaten die Palästinenser noch gewalttätiger machen
wollen oder so.  Ich weiß es nicht.

Ich bin froh dass ich nicht ernsthaft verletzt wurde und bin froh, dass...
ich die gleichen Risiken auf mich nahm wie die Palästinenser - nicht dass ich
hierher gekommen bin, um für sie Risiken auf mich zunehmen, aber in dem Sinn,
dass sie sehen konnten, dass wir für sie etwas riskieren, und dass ich als
Amerikaner angeschossen werde mit amerkanischen Waffen, von US Steuergelder
bezahlt - das muss etwas wirken gegen die Propagande, das in jedem Land über
das andere verbreitet wird, und unsere Gefühle einander gegenüber.

Jetzt gehts mir gut und ich erkenne, dass die Leute hier viel Schlimmeres
erleben und auch viel regelmäßiger, aber es ist alles relativiert durch die
eigene Erfahrung und dieser Tag war wie kein anderer, den ich je erlebte.  Ich
liebe euch alle und ... bin froh, wieder in Biddu zu sein und hoffe weiter,
dass sich die Dinge hier verändern und dass morgen für uns alle ein sicherer
Tag wird.  Alles Liebe von eurem Freund, Sohn und Bruder, Neal.

--
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#6 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Mo 22. Mrz 2004 13:35
Betreff: Brief aus Israel - Aktuelles aus den besetzten Gebieten
ankaliese
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Liebe Leute,

etwas verspätet, Dorothy Naors (www.newprofile.org) Brief von Samstag.  Er
berichtet von zwei sehr ähnlichen Erfahrungen, die Friedensfrauen (und
-männer) in Israel häufig machen können.   Sie - und hier war nur Ärger, nichts
Schlimmeres - machen mal wieder deutlich, dass Frieden nicht zum Nulltarif zu
haben ist.  Hier nicht und im nahen Osten erst recht nicht.
Schalom,
Anka Schneider


Ihr Lieben,

der Bericht nach diesem ersten ist von gestern, und berichtet, dass zum
ersten Mal in der Geschichte ein Bereich zur geschlossenen Militärzone für einen
einzigen Bus erklärt wurde, und zwar nicht irgendein Bus, sondern einer der
die Gegend befuhr um den Insassen Blicke auf die Mauer zu gewähren, um eine
Ahnung von seinem Charakter und seiner Auswirkung zu bekommen.

Dies war aller dings nicht das erste Mal, dass ein Bus angehalten wurde.
Dasselbe passierte Peace Now auf einer ähnlichen Tour vor ein oder zwei
Monaten.  Es passiert Initiativen aus der Friedensbewegung öfter, wie z.B. wenn
die
Rabbis for Human Rights mit Aktivisten in die Besetzten Gebiete fahren, um
Olivensetzlinge dort zu pflanzen, wo die IOF ausgewachsene Bäume entwurzelt
hatte, oder wenn Aktivisten von Ta'ayush einem bestimmten Dorf Solidarität
erweisen oder humanitäre Hilfe bringen wollen.  In solchen Fällen werden Busse
häufig angehalten und der Zugang zum angezielten Ort verwehrt.

Heute wurden abermals Busse angehalten.   So war gestern nicht das letzte
Mal, das so etwas passiert ist, und heute wird es wohl auch nicht sein.

Heute hat die israelische Polizei 3  Busse voller Frauen daran gehindert,
ihr Ziel, Mas'ha, zu erreichen.  Der Zweck der Fahrt war, israelischen Frauen
die Möglichkeit zu geben, ihre palästinensischen Schwestern zu treffen urr
eine gemeinsame Feier des Internationalen Frauentags und des Arabischen
Frauentags und einen gemeinsamen Protest gegen die Mauer durch israelische und
palästinensische Frauen.

Außer dass die Busse daran gehindert wurden, ihr Ziel zu erreichen, wurde
ich es auch. Ich wurde aus einem Taxi geholt und informiert, dass ich nicht
weiterfahren konnte weil ich in einem geschlossenen Militärbereich sei - ich
allein, im Gegensatz zu palästinensischen Frauen, die in der Gegend wohnen und
Siedler, die in der Siedlung Barkun wohnen, wurde daran gehindert, weiter zu
fahren nach Kharawa, wo mich ein Taxi dann nach Mas'ha bringen sollte.  Der
Bereich war durch Militär geschlossen für eine einzige Person, die nicht in dem
Bereich wohnt, geschlossen für eine offensichtlich nicht gewalttätige,
grauhaarige 72-jährige Frau - d.h. für mich!!!

Warum war ich nicht im Bus mit den anderen? Weil auf Grund des Berichts über
die Tour ich schon den Verdacht hatte, das man die Busse nicht durchlassen
würde.  So beschloss ich, so zu fahren wie ich es sonst auch mache.  Ich
wollte durchkommen, nicht nur um die Schwestern zu unterstützen, sondern auch um
Olivenöl von Nazeeh zum Verkauf mitzunehmen.

Mir gelang es, das Auto abzustellen, wo ich es sonst auch mache und ein Taxi
zu bekommen, dass zunächst andere Passagiere an einer Siedlung absetzte.
Ich blieb als einzige, und machte den Fehler, mich von hinten weiter nach vorne
zu setzen.  Wäre ich hinten geblieben, hätten mich die Soldaten vielleicht
nicht bemerkt.  Ich hatte aber keine Soldate erwartet, normalerweise stehen
keine da.  Sie standen nur da, um israelische Frauen daran zu hindern,
palästinensischen Frauen zu treffen!  Jedenfalls waren sie da und haben mich
gesehen.
  Sie fragten nach meinem Ausweis, der zeigte, dass ich nicht eine Bewohnerin
von Barkan bin.  Als der Soldat das sah, befahl mir der Soldat (ganz
höfflich)  das Taxi zu verlassen.  Ich blieb eine Stunde dort und versuchte, den
Soldat zu überreden, mich durchzulassen um Öl von einem Freund in Kharawa
abzuholen.  Dann habe ich auf den Befehlshaber gewartet, der mir vielleicht
Erlaubnis geben würde, weiterzugehen und Leute angerufen in der Hoffnung, das
jemand
helfen könnte.  Hat nicht funktioniert.  Der Offizier kam schließlich und
sagte, mein Freund aus Mas'ha könnte mir das Öl bringen, keinesfalls könne er
mich aber durchlassen nach Kharawa.  Nachdem ich dann das Öl bekommen hatte,
bin ich enttäuscht und frustriert nach Hause.

Ich wusste, dass die Busse angehalten worden waren. Ich habe mit einigen der
Frauen in den Bussen telephoniert.  Ich machte also das  Radio an, um einen
Bericht darüber zu hören.  Aber die Radionachrichten, die ich unterwegs
hörte, haben das Ereignis nicht erwähnt, und auch seither habe ich keinen
Bericht
darüber gehört, noch wird es in 3 Online-Zeitungen erwähnt.  Es ist, als sei
es nie geschehen.

Das ist eine Eskalation.  Nicht nur durfen wir nicht friedlich
zusammenkommen, sondern diese Tatsache erreicht nicht mal die Medien.  Scheinbar
hat man
beschlossen, dass das die LeserInnen nicht mehr interessiert und nicht hilft,
Zeitungen zu verkaufen.

Was das friedliche Zusammenkommen angeht ist es gar nicht überraschen, dass
die israelische Regierung das verhindern will.  SChließlich will die
israelische Regierung Land, die ganze Westbank wenn möglich, mit so wenigen
Palästinensern wie möglich, am besten gar keine.  Eines der größten Bedrohungen
gegen
diese Pläne sind die Bemühungen um Frieden und die Friendenstifter,
besonders wenn sie gewaltfreie Proteste gegen die Mauer miteinschließen, da
diese die
effizienteste Methode ist, sich riesige Abschnitte des palästinensischen
Landes anzueignen.  Palästinesische und israelische Friedensstifter müssen daran
gehindert werden, sich zu treffen.  Und es darf nicht bekannt werden, dass
die Regierung und die IOF solche Treffen verhindern.

Dorothy
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Von BAT SHALOM - Frauennetzwerk für den Frieden
durch Angela Godfrey,<anjie@...

Pressemitteilung
19. MÄrz 2004

Zum ersten Mal in der Geschichte wird ein gebiet zur geschlossenen
Militärzone für nur einen Bus.

Am Anfang einer Tour um den Trennungszaun in der Gegend um Mas'ha in den
besetzten Gebieten, haben jüdische und arabische Frauen von Bat Shalom,  die an
einer Tour organisiert von dem Critical Tours Project des Coalition of Women
for a Just Peace und das Israeli Committee Against House Demolitions, wurde
der Bus durch Polizei angehalten gegenüber vom Barkan Industriegebiet.  Die
Polizei behauptete, der Bus sei "nicht zum Fahren geeignet" und hat eine Buße
von NIS 1000 verhängt.  Die Frauen haben sofort Presseleute und
Knessetmitglieder kontaktiert, um sich gegen das Aufhalten zu wehren.  Nach
einer Stunde
durften sie die lustige Fahrt fortsetzen.

Als es ihnen erfolgreich gelungen war, sich der Elkanasiedlung zu nähern,
haben Verkehrspolizisten sie wieder angehalten, mit der Ausrede, dass auch dies
ein "geschlossenes Militärgebiet" sei.  Als es dem Bus schließlich gelang,
die Fahrt fortzusetzen, haben Soldaten ihn 100m vor dem Checkpoint 109
angehalten mit der Behauptung, dies sei auch ein "geschlossenes Militärgebiet".

Es muss vielleicht erwähnt werden, dass zu keiner Zeit während dieser
Geschichte die Verkehrspolizei oder die IDF irgendein Siedlerfahrzeug oder
Fußgänger, die frei auf der Straße entlang liefen, auf- oder angehalten,
festgenommen, umgeleitet oder mit Buße belegt haben, mit der Auflage, dass es
ihnen
verboten sei, in ein geschlossenes Militärgebiet einzudringen.  Tatsächlich
konnte
man sehen, dass die erwähnten Siedler überall die ganze Zeit gesehen wurden,
wie sie sich nach Wunsch umher bewegten.  Nur die 50 FRauen im Bus wurden
gezwungen, längere Zeit darin zu bleiben, ohne dass es ihnen auch nur erlaubt
wurde, auszusteigen.

Und als die Frauen sich höflich danach erkundigten, wo und wann sie fahren
könnten, ohne das Risiko einzugehen, in ein geschlossenes Militärgebiet
einzudringen, und wie es dazu kam, dass der Befehl, der diesen Bereich zu einem
geschlossen Militärgebiet machte, nur für sie galt, antwortete ein Soldat:

"Wo auch immer sie hingehen, wird es ein geschlossenes Militärgebiet sein."
Er fügte hinzu, "Es it meine Verantwortung und ich entscheide nach meinem
Gutdünken, wer angehalten wird und wer nicht.

ER wurde dann gefragt, ob der Befehl nur für diesen Bus galt, worauf er
bejahte, "Ja, der Befehl gilt nur für den Bus."

Halleluja.

--
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#5 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Fr 19. Mrz 2004 8:02
Betreff: Brief aus Israel - Akturelles aus den besetzen Gebieten
ankaliese
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[Zum letzten Mal wird dieser Brief an diverse Verteilerlisten
gesendet.  Wer ihn weiter bekommen möchte - auch diejenigen, die sich
bereits bei mir gemeldet haben - bitten abonnieren durch eine leere
Email an Brief-aus-Israel-subscribe@yahoogroups.com.  Danke, AS]
Liebe FreundInnen,

Heute gibt es etliche Berichte zur Auswahl, u.a. ein Hinweis darauf,
dass der  Wall Street Jounal, eine Zeitung von Weltformat, zwei üble
Meinungsartikel gedruckt haben, die schreckliche Lügen über Rachel
Corrie enthalten, eines davon von der Jerusalem Post übernommen.
Rachel wird als Unterstützerin von Terror und Schlimmeres bezeichnet.
Und davon wird weltweit öffentliche Meinung geformt!
  Im Gegensatz zu Großbrittanien bezüglich Tom Hurndall, weigert sich
die USA immer noch, den Tod Corries unabhängig untersuchen zu lassen.

Ich fasse hier einen Artikel zusammen, der die Ergebnisse von
psychischen Untersuchungen bei palästinensischen Kindern wiedergibt.
Schalom/Salaam,
Anka Schneider


Dorothy Naor schreibt dazu:
Ich habe in letzter Zeit mehrfach erwähnt, dass die israelische
Politik und ihr Verhalten die Zeit näher bringt, in der jeder
palästinensische Mann, jede Frau und jedes Kind ein Freiheitskämpfer
wird, und dass der gegenwärtige israelische Extremismus arabischen
Extremismus ermutigen wird.  Der Prozess beginnt aber schon jetzt.
Eine blutige Schweinerei ist das, und wird es für alle sein -
Palästinenser und Israelis gleichermaßen.
-------------------------------------

Ha'aretz, Dienstag, 16. März 2004

In einem Telefoninterview aus London klang der Psychiater Dr Iyaad al-
Saraj schockiert aber nicht überrascht, als er hörte, dass zwei 18-
jährige die Selbstmordbomber in Ashdod gewesen sind.

Das Gaza Centrum für psychische Gesundheit, das er leitet hat
festgestellt, dass es der liebste Wunsch von einem aus vier
palästinensischen Kindern und Jungendlichen ist, mit 18 als Martyrer
zu sterben.  Die Studie, an 944 Jungendlichen zwischen 10 und 19
durchgeführt, stellte fest, dass 97,5 % an posttraumatischem
Stresssyndrom leiden.  Etwa 32% weisen starke Symptome auf (unter den
Kindern von Flüchtlingen sind es 84%.  94% der kinder haben an einer
Beerdigung teilgenommen, 83% haben Schießereien gesehen, 61% haben
gesehen, wie eine Verwandter getötet oder verletzt wurde, und 36%
sind durch Tränengas verletzt worden.

Al-Saraj bemerkte, dass viele der Selbstmordattentäter der zweiten
Intifada Kinder der ersten Intifada waren, die gesehen haben, wie
ihre Väter geschlagen und gedemütigt wurden.  Al-Saraj wies darauf
hin, dass viele der Kinder nicht lächeln können, und 13% unter 15
Bettnässer sind.  Er sagte auch, dass viele Kinder sich in der Schule
nicht konzentrieren können, weil sie Angst haben, dass wenn sie nach
Hause kommen, sie ihre Eltern unter den Trümmern ihres Hauses finden
werden.

Der Psychiater befürchtet, dass die Zerstörung und Erniedrigung eine
Opfermentalität verbreitet, die die Abhängigkeit von einer starken
Vaterfigur stärkt.  Verbunden mit der Schwäche der Palästinensischen
Autorität,  führt das zunehmend zu Fraktionen, die bei Abzug der
Israelis interne Kämpfe verursachen können.  Die Auflösung der
Gesellschaft führt auch zum Wiederaufleben alter
Stammeszugehörigkeiten.

Der Kampf gegen die Besatzung stärkt allerdings die Einheit.  Im
Gegensatz zu den Kuwaitis, die nach der Unterwerfung unter Saddam
Hussein demoralisiert wurden und erste Drogenprobleme hatten, hält
der entschlossene Kampf die Gesellschaft stark.

#4 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Do 18. Mrz 2004 18:58
Betreff: Brief aus Israel - Aktuelles aus den besetzten Gebieten
ankaliese
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[ERINNERUNG: der Brief wird nur noch heute und morgen an alle
Verteiler rausgehen.  Wer ihn weiter erhalten möchte, melde sich
bitte bei Yahoo: leere Email an Brief-aus-Israel-
subscribe@yahoogroups.com.]
---------------------------------
Liebe FreundInnen Israels und Palästinas,

Heute kommt wieder ein Text von der International Solidarity
Movement: Zerstörung und Widerstand gehen weiter - an Letzterem kann
man sich auch von hier aus beteiligen.
Schalom,
Anka Schneider
-------------------------------------

Gegen Ende Februar 2004, hat die IOF (Israel Occupation Forces) zwei
bedouinischen Familie, die in der Nähe des Dorfes Deir Ballut leben,
mitgeteilt, dass sie binnen zwei Wochen das Land verlassen müssten,
da dann mit dem Bau der Apartheidmauer in dieser Region angefangen
würde.  Die Bedouinen wussten nicht wohin und wollten auch nicht ihr
Land verlassen, also blieben sie.

Punktlich kamen die Soldatenn nach Deir Ballut am 12. März, um die
Beschlagnahmungsbefehle auszuteilen.  Die Soldaten sagen den
Bewohnern, man würde sie zwei Tage später auf ihrem Land treffen,
damit sie die Route der Mauer erklären konnten.  Tatsächlich kamen
die Ingenieur schon in der Nacht und markeirten die Route, ohne die
Bewohner zu informieren.

Am 14. kehrten sie zurück.  Ihn kamen die Bewohner entgegen mit ihren
Urkunden, die ihren langjährigen Besitz des Landes bewiesen.  Die
Soldaten sagten sie würden innerhalb einer Woche mit der Arbeit
anfangen.  Die Bewohner sagten ihnen, sie sollten nicht versuchen,
ihr Land zu stehlen.

Wenn die Mauer in der Gegend von Deir Ballut fertig ist, wird ein
Pfad der Zerstörung von der nördlichen bis hin zur südlichen Westbank
vervollständigt sein.

PENGONs Stop the Wall Kampagne berichtet, dass Deir Ballut nur 750
Dunum von ihren ursprünglich 100 000 behalten wird.  (4 Dunum= 1
Hektar).  Auf dem gestohlenen Land werden die Siedlungen Peduel und
Ale Zehav um 550 Häuser vergrößert werden. Acht Familien werden vom
Dorf abgeschnitten.  Allein die Familie Moosa , die schon 1948 600
Dunum Land verloren hat, wird jetzt fast den ganzen Rest, mit 1000
Olivenbäumen, verlieren.

Die Dorfbewohner von Deir Ballut und zwei Nachbardörfern wollen sich
widersetzen.  In anderen Dörfern hat das bisher bedeutet dass die
Bewohner - Männer, Frauen und Kinder - alles stehen und liegen lassen
und ihre Körper den Bulldozen in den Weg stellen.

Bitte protestiert an die israelische Regierung und schreibt Briefe an
die Presse.  Mehr Information ist auf der Webseite
www.womenspeacepalestine.org/deirballutcamp.htm zu finden, auch auf
Deutsch.
------------------------------------
Hier ein möglicher Text:

To the Israeli Government,

The Separation Wall, instead of being built legally along the Green
Line, is continuing the illegal expropriation of Palestinian land and
expanding the settlements, directly contrary to the road map for
peace which the government verbally agreed to.  Hundreds of thousands
of Palestinians are losing their only means of livelihood, land that
has been in their families for generations.  Thousands are being cut
off from their economic, educational and medical infrastructure.

I add my protest against this abrogation of all human rights,
amounting almost to genocide, to that of the villagers fighting
nonviolently for their lives.

By destroying all means of livelihood, Israeli policy is continually
adding to the number of young people who are willing to seek death in
protest against the destruction of their people.  A barrier that
entails direct robbery can never bring Israel security.

If Israel truly wants peace, the negotiating table is the only way
that it can be found.  Stop building the wall!

Yours sincerely,

[Name und Anschrift]

Der Text kann geschickt werden an:
Prime Minister Ariel Sharon
Fax 00972-2-566 4838
webmaster@...
Minister of Defense Shaul Mofaz
Fax: 00972-3-657 6218
sar@...
Foreign Minister Silvan Shalom
Fax: 00972-2-530 3506
sar@...
Minister of the Interior Avraham Poraz
Fax: 00972-2-566 6376
sar@...
Die Botschaft Israels in Deutschland
Fax 030-89045102

#3 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Mit 17. Mrz 2004 15:28
Betreff: Brief aus Israel, 17.3.14
ankaliese
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Aktuelles aus den besetzten Gebieten

Ein - nach Möglichkeit - täglicher kurzer Bericht in deutscher
Sprache über die Lage in Palästina, die Auswirkungen der Mauer auf
die Bevölkerung, und den wachsenden gewaltfreien Widerstand der
Betroffenen.

Dieser Brief wird nur noch DIESE WOCHE über verschiedene Verteiler
ausgesendet.  Wer ihn weiterhin erhalten will, bitte abonnieren bei
Yahoogroups - einfach eine leere Email an Brief-aus-Israel-
subscribe@yahoogroups.com senden.  Man erhält dann eine EMail von
Yahoo, dessen Empfang man bestätigen muss und damit ist man Abonnent.

-----------------------------------
Liebe Freundinnen,

In einem längeren Bericht von einem palästinensischen ISM Mitglied
aus Nablus werden die weitergehenden, fast täglichen Einfälle der
israelischen Armee in der Stadt beklagt.  Die Soldaten versuchen,
auch wenn sie keine gezielte Aktion vor haben, durch wildes
Rumballern die Bevölkerung einzuschüchtern.  Außerdem ist Nablus
immer noch weitgehend abgeschottet von den umliegenden Dörfern.
Dadurch können die Dorfbewohner nur unter großen Schwierigkeiten und
Gefahren zur Arbeit, medizinischen Versorgung oder Einkaufen nach
Nablus.
Außerdem haben die Dörfer keine Möglichkeit mehr, die Agrarprodukte,
von
denen ihr Lebensunterhalt abhängt, zu verkaufen.  Armut und Not
breiten
sich überall aus.  Müll wird nicht mehr eingesammelt und zu einem
Gesundheitsrisiko.  Die Wasserzufuhr wird willkürlich gedrosselt.
Die
Bevölkerung wird immer resignierter und ist kaum noch bereit, das mit
Portest verbundene Risiko auf sich zu nehmen.

Ganz anders sieht es allerdings aus in etlichen Orten, die vom Bau
der Mauer berührt werden, wie der untenstehende Bericht von den
Plänen der Dörfler, verdeutlicht.  Auch dieser Bericht kommt von der
International Solidarity Movement.

Schalom/salaam,
Anka Schneider
--------------------------------------

(Budrus, Ramallah]  Von morgen, Donnerstag, 18. März 2004, bis
Sonntag 21. März sind 3 Tage Protestaktionen in den Dörfern Deir
Qaddis und Al-Midya, in der Nähe von Budrus, nordwestlich von
Ramallah, geplant.  Die israelische Armee arbeitet an der Mauer in
diesen beiden Dörfern, zerstört weiterhin Landwirtschaftsflächen und
beschlagnahmt Land.

DorfbewohnerInnen aus dieser Region haben gegen den Mauerbau
gewaltfrei protestiert während der letzten beiden Monate und konnten
bisher bewirken, dass die route der Mauer näher an die Grüne Linein
gerückt wurde.  Wenn sie aber fertiggestellt ist, wird die Mauer
diese
Gruppe Dörfer zu einem Gefängnis für die Bewohner machen.  Deswegen
beharren die Bewohner in ihrem Kampf um das Überleben ihrer
Gemeinschaften.

Am Donnerstag, 18. März, um 12 Uhr werden die Dorfbewohner und
Internationale versuchen, die Bulldozer in Deir Qaddis zu verhindern.

AM Freitag, 19. März um 10.30 wird man versuchen, die Bulldozer daran
zu
hindern, die Arbeit in Al-Midja aufzunehmen.

Am Sonntag, 21. März ist von 12 Uhr an ein Generalstreik in allen
Dörfern um Budrus herum vorgesehen.  Gleichzeitig werden zwei
Demonstrationen in Deir Qaddis und Al-Midya stattfinden.

Während der Demo in Deir Qaddis am Sonntag, 14. März, wurden mehr als
15
Personen besetzt und eine amerikanische Jüdin von der ISM wurde
festgenommen und soll abgeschoben werden.

----------------------------
In Rafah gedachten etwa 100 Kinder dem Tod von Rachel Corrie, die vor
einem Jahr von einem Bulldozer überfahren wurde, als sie versuchte,
die
Zerstörung eines Hauses zu verhindern mit einem Marsch.  Sie trugen
ihr
Bild durch die Straße und verbrannten ein Modell von dem Bulldozer,
der
sie getötet hat.

-----------------------------

#2 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Die 16. Mrz 2004 8:59
Betreff: Brief aus Israel
ankaliese
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Aktuelles aus den besetzten Gebieten

Dieser Rundbrief ist nun als Gruppe bei Yahoo registriert.  Wer den
Brief weiter erhalten will, melde sich bitte möglichst sofort mit
einer leeren Email an Brief-aus-Israel-subscribe@yahoogroups.com.
Ich werde ihn noch bis Freitag auch über die vorhanden Listen
aussenden, dann ist das vorbei.  Ich bitte nach wie vor, den Brief an
evtl. Interessierte weiterzuleiten.  Herzlichen Dank.


[Ein nach Möglichkeit täglicher kurzer Bericht in deutscher Sprache
über die Lage in Palästina, die Auswirkungen der Mauer auf die
Bevölkerung, und den wachsenden gewaltfreien Widerstand der
Betroffenen.  Es handelt sich vor allem um Augenzeugenberichte
friedensbewegter Israelis oder internationaler Freiwillige manchmal
auch Zeitungsartikel. Sie kommen in erster Linie Dorothy Naor von der
israelischen Friedensorganisation New Profile, die sich für die
Entmilitarisierung der israelischen Gesellschaft einsetzt
(www.newprofile.org) und soll die allzu dürftigen und gewaltfixierten
Berichte der Massenmedien ergänzen.  Bitte an Interessierte
weiterleiten.  Angelika Schneider]

------------------------------------------

GUSH SHALOM - www.gush-shalom.org

Der Dialog der Bomben und dem unterberichteten gewaltfreien
Widerstand
Internationale Pressemitteilung
Tel Aviv, 15. März 2004

Nur zwei Tag nach Madrid kommen die entsetzlichen Bilder wieder von
näher an zuhause, mit der Nachricht von einem Selbstmordangriff im
Israelischen Hafen Ashdod.  Wieder rollt der Kreislauf des
Blutvergießens weiter. (Und wieder wird ein Tag massenhaften
palästinensichen Widerstands von dem Akt zweier junger Desperados
überschattet.  Fpr die Spieler auf beiden Seiten des tödlichen
Pingpongs, werden Verluste instrumentalisiert zu Munition, zu der
Erlaubnis, die Männer, Frauen und Kinder, Alte und Junge der anderen
Seite zu töten.

Fast zwei Monate sind vergangen, seitdem Ariel Sharon die
überraschende Ankündigung seiner Intention, den Gazastreifen zu
evakuieren, bekannt gab - und Kommentatoren, wie auch die generelle
Öffentlichkeit, fragen sich immer noch nach seiner wahren
Intentionen.  Eines ist allerdings bereits kristallklar: die
angekündigten Pläne für ein Rückzug aus Gaza bedeuten nicht ein Ende
der täglichen Gewalt und des Blutvergießens in und um den Streifen.
Im Gegenteil, im letzten Monat haben die israelischen Streitklräfte
tatsächlich die Zahl ihrer Morde aus der Luft und ihrer
großangelegten  Einfall nach Gaza City sowie Rafah und andere Orte
intensiviert.  Manche Kommentatoren sehen dies als ein Spiel um
Prestige - "Die Generäle sind entschlossen, den Rückzug aus Gaza
nicht als militärische Niederlage erscheinen zu lassen."; andere
meinen, dass Sharon jedes Mittel einsetzt , um von den wachsenden
Korruptionsskandale, die ihn und seine Söhne tangieren - das Thema
einer fortlaufenden, intensiven Polizeiuntersuchung.

Was auch immer die zugrundliegenden Motive sind, der Preis in
Menschenleben und -leiden ist extrem hoch.  In nur einem einzelnen
israelischen Angriff in den Flüchtlingslager in Gaza, vor genau einer
Woche, wurden 15 Palästinenser (inklusive mehrere Kinder) innerhalb
weniger Stunden getötet; in den folgenden Tage gab es eine
fortlaufende Todesrate von täglich "nur einige", die in den Medien
kaum erwähnt wurden.  Heute kam die palätinensiche Erwiderung.  Zum
ersten Mal seit dem Ausbruch der Kämpfe vor dreieinhalb Jahren,
gelang es zwei Gazaflüchtlinge, aus dem Zaun um den Streifen
auszubrechen und den Weg zu finden zum Hafen von Ashdod, ein kurzes
Stück nach Norden, wo sie sich in die Luft sprengten und 10 Israelis
mitnahmen - und die Todesrate hätte noch viel höher werden können,
wäre die Explosion näher an die hoch brennbaren Chemikalien gekommen,
die in großer Menge im Hafen lagern.

Die Form der israelischen Wiedervergeltung ist bereits beschlossen
zwischen Premier Sharon und Verteidigungsminister Mofaz.  Bereits
während wir schreiben bombardieren israelische Angriffshubschrauber
Gaza, und mehr kommt wohl in den nächsten Tagen.  Es wird dem Tribut
an abgeschnittenen, unschuldigen Leben neue Opfer beifügen und dem
Kreislauf von Vergeltung und Wiedervergeltung  neue Nahrung geben.
Und das lang verschobene Treffen zwischen Sharon und seinem
palästinensischen Gegenstück Ahmed Kurei ist noch einmal verschoben
worden, und mit ihm die schwache Hoffnung auf einen neuen
Waffenstillstand.

Inzwischen hat das alles dazu gedient, die Aufmerksamkeit von einer
sehr bedeutenden Entwicklung abzulenken: die dramatische Zunahme
massenhafter, unbewaffneter palästinensische Widerstandshandlungen in
den Dörfern der Westbank, die ihr Land verlieren werden an Sharons
"Trennungsmauer".  In einem Dorf nach dem anderen stehen Hunderte von
Menschen zusammen, um die Bulldozer zu blockieren.  Israelische
Friedensaktivisten sind ein willkommener Teil solcher Proteste, wie
auch die Internationalen.  "Wir standen vier stunden lang und wurden
von wiederholten Sperrfeuer von Tränengas getroffen.  Die Soldaten
waren extrem schießwütig, obwohl sie keinen Vorwand hatten.  Keine
warf min Steinen, es gab nichts als Männer und Frauen, Junge und
Alte, die versuchten, ihre Olivenhaine mit den nackten Händen zu
verteidigen.  Zwölf wurden vereltzt und brauchten medizinische
Versorgung, die anderen blieben einfach stehen" - das hörten wir
heute Morgen von Shai Pollak, Aktivist aus Tel Aviv von "Anarchisten
gegen die Mauer".  Natürlich erregt ein einzelner Selbstmordbomber
weit mehr Sendezeit in den iternationalen Medien als ein Dutzend
unbewaffnete Massenproteste...

Mitten dazwischen ist der heutige Dienstag, der 16. März der traurige
Jahrestag von Rachel Corrie, die amerikanische ISM Aktivistin, die in
Rafah zu Tode gequetscht wurde als sie versuchte einen israelischen
Militärbulldozer daran zu hindern, ein palästinensisches haus zu
zerstören.  Es werden an dieser Tag etliche Veranstaltung zur
Erinnerung und Protest gegen das weitere Blutvergießen und die
Unterdrückung geben.

Um 12 Uhr mittags wird es eine Versammlung von ISM Aktivisten mit
israelischen Friedensaktivisten am Erez Checkpoint zwischen dem
Gazastreifen und Israel geben.

Um 10 Uhr morgens wird die Gemeinde Rafah - wo Rachel Corrie getötet
wurde - ihrer gedenken mit einem Marsch vom Hauptplatz aus.

Schließlich werden um 18 Uhr die Grassroots International Protection
for the Palestinian People eine Kerzenmahnwach Rachel Corrie zu Ehren
auf dem Manara Square in Ramalla veranstalten.

#1 Von: "Angelika Schneider" <anka.sch@...>
Datum: Mo 15. Mrz 2004 12:23
Betreff: Tescht DGr
ankaliese
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Tescht

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